Porträt Willi van Ooyen - Kandidat der Linken, Hessen : "Äppelwoi bleibt Äppelwoi"

Er gilt für die nächsten Landtagswahlen in Hessen als schärfster Konkurrent von Noch-Ministerpräsident Roland Koch. Ooyen spielt die Rolle des "netten Kommunisten von nebenan".

Matthias Meisner

Wer halbwegs bekannt ist in der linken Szene Westdeutschlands, wird in der Linkspartei in diesen Tagen schnell zum Helden stilisiert. „Willi wählen!“ überschrieb das „Neue Deutschland“ eine Reportage über den Spitzenkandidaten zur hessischen Landtagswahl, Willi van Ooyen. Natürlich sollten die Leser an Brandts Wahlkampagne 1972 denken – mit dem gleichen Spruch war erfolgreich für den damaligen SPD-Kanzler geworben worden.

Am 27. Januar 2008 wird in Hessen gewählt. Der parteilose Bewerber Ooyen ist seit dieser Woche auf Hessentour und hat immerhin schon erreicht, dass seine Genossen eine feste Größe in den Wahlkampfreden von CDU-Amtsinhaber Roland Koch geworden sind. Um „richtige, stinknormale Kommunisten“ handele es sich bei den Politikern der Linkspartei, meint Koch – und stellt die rhetorische Frage an seine Anhänger: „Glauben Sie allen Ernstes, dass die Sozialdemokraten in Hessen dafür sorgen, dass Roland Koch Ministerpräsident wird?“

Ooyen trägt seinen Teil dazu bei, die Erklärung von SPD-Landeschefin Andrea Ypsilanti, ein rot-rotes Bündnis in Hessen käme nicht infrage, in Zweifel zu ziehen. „Es kann ja durchaus sein, dass die SPD sich anders entwickelt, und dann könnten wir gemeinsam Politik machen“, sagt er. Als Person bietet Ooyen für die SPD kaum Angriffsflächen. Seine linke Biografie ist nahezu mustergültig, vom Engagement gegen den Vietnamkrieg und für Zivildienstleistende, vom Ostermarsch-Organisator bis zu Protesten gegen die Globalisierung. Seit zehn Jahren ist er im Hauptberuf pädagogischer Leiter einer Behindertenwerkstatt in Frankfurt.

Unermüdlich wirkt der 60-Jährige, der seine Kandidatur nutzen will, um zum „Transmissionsriemen“ der sozialen Bewegungen im Parlament zu werden. Fast vergessen gemacht hat er das Chaos um die Kandidatenaufstellung der Linken in Hessen – den früheren DGB-Chef Dieter Hooge hatte die Basis durchfallen lassen, dann einen Ex-DKP-Mann gewählt, der nach wenigen Tagen überfordert das Handtuch schmiss. Nun schimpft die SPD über das „parteilose Feigenblatt“ Ooyen. Der aber spielt die Rolle des „netten Kommunisten von nebenan“ gut. Als die EU den Begriff Apfelwein infrage stellte, kämpfte auch Ooyen mit gegen das Verbot. Zum Einzug der Linken in den Landtag kündigt er ein großes „Äppelwoi- Fest“ an.Matthias Meisner

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