PORTRÄT WILLIAM J. BURNS, US-DIPLOMAT: : "Der Iran ist eine Gefahr, kein Gegengewicht"

Dafür braucht man einen Diplomaten: Er soll einen Politikwechsel einleiten – der aber nicht wie eine Kurskorrektur aussehen darf. Mit William Joseph Burns, Staatsminister und hierarchische Nummer drei im US-Außenministerium, hat die Bush-Regierung den Richtigen für die Aufgabe gefunden.

Christoph von Marschall

Burns wird an diesem Wochenende für die USA an den Atomgesprächen in Genf teilnehmen. Seit Jahren versuchen Europäer und Russen, dem Iran den Stopp seines Nuklearprogramms abzuhandeln. Bush unterstützte den Prozess, verweigerte aber bisher direkte Kontakte zu Teheran.

Burns ist 52 Jahre alt. Den Posten des „Under Secretary of State“ hat er eben erst von einem Kollegen desselben Nachnamens übernommen: Nicholas Burns, der nun in der Privatwirtschaft Geld verdienen will. Sie sind nicht verwandt. William Burns war zuvor Botschafter in Moskau und davor Staatssekretär mit dem Aufgabengebiet Nahost. Er spricht fließend Russisch, Arabisch und Französisch.

Vor dem außenpolitischen Ausschuss des Abgeordnetenhauses hat er kürzlich ausgeführt, wie die USA Teherans Atomprogramm beenden und den Iran zur Rückkehr in die internationale Kooperation bewegen wollen: durch eine Mischung von Sanktionen und Anreizen. Zu denen gehört auch das Angebot, eine Interessenvertretung der USA in Teheran zu eröffnen, rund 30 Jahre nach Abbruch der diplomatischen Beziehungen. Im Zuge der islamischen Revolution hatten Iraner Amerikas Botschaft besetzt und viele Mitarbeiter 444 Tage lang als Geiseln gehalten.

Der Iran sei eine Gefahr für die Welt, sagte Burns den US-Abgeordneten am 9. Juli. Es drohe, Israel auszulöschen, unterstütze Terrororganisationen wie die Hisbollah und missachte im eigenen Land die Menschenrechte. Aber man dürfe den Iran auch nicht dämonisieren, es sei „kein ernsthaftes Gegengewicht“ zu den USA, den Vereinten Nationen oder der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO. Die Wirtschaftssanktionen zeigten Wirkung. Teheran erkenne langsam, wie teuer der Preis für das Beharren auf den Atomplänen sei. Auf der anderen Seite des Persischen Golfs, in den Arabischen Emiraten, könnten die Iraner sehen, was für eine dynamische Wirtschaft sich mit den Petrodollars aufbauen lasse, sofern die Mullahs ihre Isolation beenden. „Wir ändern unser Verhalten, wenn sie ihres ändern.“ In Nordkorea sei diese Strategie am Ende erfolgreich gewesen. Christoph von Marschall

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