Porträt : „Wir sind die Opfer, nicht die Täter“

Thomas Fischer, Chef der West LB steht vor den Aus. Er war als Retter geholt worden. Nun muss er seinen Ruf retten.

Stefan Kaiser

Der Mann wollte immer ganz nach oben. Nun steht er vor dem tiefen Fall. Sein Abgang vom Chefposten bei der Düsseldorfer West LB, der nach einer Aufsichtsratssitzung am heutigen Donnerstag erwartet wird, würde die deutschen Finanzszene einer ihrer einflussreichsten und schillernsten Figuren berauben.

Thomas Fischer steht vor dem Aus, weil der Aufsichtsrat ihm vorwirft, nicht das erreicht zu haben, was er Anfang 2004 versprochen hatte. Er war als Retter geholt worden. Die West LB war gerade mit riskanten Krediten an den britischen Fernseherverleiher Boxclever in die größte Krise ihrer Geschichte geraten. Fischer machte das Risikomanagement der Bank zur Chefsache und brachte sie wieder auf Vordermann. Sie sollte wachsen. Der gebürtige Berliner, der noch heute in der Hauptstadt wohnt, hatte unter anderem die Übernahme der Landesbank Berlin im Sinn.

Dann kam alles anders. Anfang April bescherten riskante Aktiengeschäfte der West LB Verluste in dreistelliger Millionenhöhe. Fischer will von den Geschäften nichts gewusst haben. Er spricht von einem „Anschlag“ auf die Bank. „Wir sind nicht Täter, wir sind Opfer.“ Auch wenn diese Version der Geschichte sich kaum noch halten lässt, will Fischer seinen Ruf verteidigen. „Er hat noch Kampfeswillen“, sagt ein langjähriger Weggefährte. Diesen Willen hat sich der 59-jährige Fischer schon in seiner Jugend als Amateurboxer antrainiert.

Fischer gilt als brillanter Redner und guter Selbstdarsteller. Er würzt seine Vorträge mit Literaturzitaten und süffisanten Bemerkungen, achtet genau auf sein Äußeres und provoziert die konservative Bankenwelt gerne mit grellbunten Krawatten und breiten Hosenträgern. Fischers Gegner erzählen gerne, dass er einmal wegen der falschen Beschreibung seiner Schuhfarbe einen Prozess angestrengt habe.

Kompromisse waren nie seine Sache. Geduld auch nicht. Oft hat Fischer den Arbeitgeber gewechselt, wenn er mit etwas nicht einverstanden war oder es für ihn nicht schnell genug nach oben ging. So warf er 1999 bei der Landesbank Baden-Württemberg hin, weil er nicht auf den Chefposten durfte. Vier Jahre später verließ er im Streit um die Führungsstruktur die Deutsche Bank.

Diesmal werde er nicht freiwillig gehen, vermuten die, die ihn kennen. Er werde versuchen, den Aufsichtsrat mit Argumenten zu überzeugen. Seine Gegner zweifeln, ob das gelingt: „Es wäre eine Sensation, wenn der Boxer noch einmal zurückschlagen würde.“

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