Porträt : „Wir werden beleidigt. Ihr auch“

Als wären die Geschichten um das Mohammed-Video nicht schon tragisch und bizarr genug, versucht nun auch noch Terry Jones Profit aus der Sache zu schlagen. Mit Provokationen kennt sich der "Prediger" aus.

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Er ist ein Hochstapler und Provokateur. Ob man ihn Pfarrer nennen darf, ist zweifelhaft. Theologie hat er nicht studiert. Der Doktortitel, den er in Deutschland führte, ist erfunden. Gäbe es nicht empörungsbereite Menschen in Arabien, Asien und Europa, bliebe Terry Jones wohl ein Nobody, jedenfalls in den USA.

Mit ihm befassen muss sich die US-Regierung, weil Menschen in anderen Ländern sich durch Jones’ kalkulierte Provokationen zu Gewalttaten reizen lassen. Zum neunten Jahrestag des Terrorangriffs auf die USA wollte er am 11. September 2010 einen Koran vor laufenden Kameras verbrennen – genauer: er drohte damit, um zu erreichen, dass Präsident Obama ihn anruft und bittet, das zu unterlassen. Der Präsident ging darauf nicht ein, sondern beließ es beim Appell, Aktionen, die Hass säen, zu unterlassen. Jones sagte die Koranverbrennung zunächst ab.

Nun versucht der „Prediger“, die internationale Aufmerksamkeit für die Kontroverse um das Mohammed-Video auf sich zu lenken. Er deutete an, er habe bei der Entstehung des Films geholfen – diese Behauptung wurde als Aufschneiderei entlarvt. Er zeigte das Video in seiner Gemeinde, am symbolträchtigen 11. September, den er in „Tag des internationalen Gerichts über Mohammed“ umtaufte.

Jetzt gewinnt Jones durch das Einreiseverbot für Deutschland neue Prominenz. Bundesinnenminister Friedrich hat es verhängt. Die Regierung dulde keine Intoleranz gegen Religionen. Die rechte Organisation „Pro Deutschland“ hatte Jones zu einer Konferenz eingeladen. Jones tut so, als gehe es ihm um einen aufklärerischen Dialog mit Muslimen: „Wir werden beleidigt, ihr werdet beleidigt.“

Der selbst ernannte Pastor hat Erfahrungen mit der deutschen Justiz. 1981 gründete er eine Sekte namens Christliche Gemeinde Köln (CKG) und warb in den Folgejahren nach eigenen Angaben tausend Mitglieder. 2002 verurteilte ihn ein deutsches Gericht zu einer Geldstrafe, weil er rechtswidrig einen Doktortitel führte.

Geboren wurde Jones 1951 in der Kleinstadt Cape Girardeau in Missouri. Ein allgemeines Grundstudium brach er nach zwei Jahren ab und wechselte auf die Theologische Akademie Kalifornien, deren Abschlüsse vom Staat nicht anerkannt werden. Es folgten mehrere Jahre als „Missionar“ in Köln. In den letzten Jahren leitete er das Dove World Outreach Center in Gainesville, Florida. Wie viele Anhänger er dort hat, ist umstritten. Christoph von Marschall

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