Porträt Wjatscheslaw Ponomarjow : „Ich kämpfe hier gegen Faschisten“

Laut russischen Medien feierte der selbst ernannte Bürgermeister von Slawjansk am Freitag 49. Geburtstag. Viel mehr ist nicht über ihn bekannt, obwohl Wjatscheslaw Ponomarjow seit Wochen Politiker und westliche Medien beschäftigt.

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Wjatsacheslaw Ponomarjow, er nennt sich Bürgermeister von Slawjansk.
Wjatsacheslaw Ponomarjow, er nennt sich Bürgermeister von Slawjansk.Foto: AFP

Der Mann nennt sich Wjatscheslaw Ponomarjow und stellt sich als Bürgermeister von Slawjansk vor, bis vor drei Wochen habe er die Seifenfabrik der Stadt geleitet. Seit dem 12. April ist das verschlafene Slawjansk weltbekannt. An dem Samstag haben maskierte, bewaffnete Männer erst die Polizeistation und dann andere öffentliche Gebäude besetzt, Ponomarjow hatte das Kommando. Seit einer Woche halten seine Männer auch sieben Mitglieder einer OSZE-Militärmission gefangen, unter ihnen vier Deutsche.

Laut russischen Medien feiert der Mann mit den hellblauen Augen und dem kurzgeschnittenen blonden Haar heute (2. Mai) seinen 49. Geburtstag. Viel mehr ist aber nicht bekannt, obwohl der drahtige Ponomarjow seit Wochen Politiker und westliche Medien beschäftigt. Er selbst sagt wenig über seine Vergangenheit, vage Angaben finden sich im Internet. Doch seit ein paar Tagen ist der russische Eintrag über Ponomarjow bei Wikipedia gelöscht. Dort war zu lesen, dass er in Russland geboren sei und im Afghanistankrieg der Roten Armee gekämpft habe. Auch in anderen GUS-Ländern sei er als Militärexperte im Einsatz gewesen.

Wer Ponomarjow heute begegnet, trifft auf einen sehr selbstsicheren Mann. Stets von maskierten, schwerbewaffneten Bodyguards umgeben hält er regelrecht Hof. Vor allem für Vertreter russischer und westlicher Medien hat er viel Zeit. „Ich kämpfe hier gegen Faschisten, die haben Kiew eingenommen und sollen es nicht bis nach Donezk schaffen“, sagt er. Wenn jedoch die Rede auf seine Gefolgsleute kommt und woher all die Waffen stammen, wird Ponomarjow wortkarg. Das seien alles Freiwillige. Über Russen spricht er als „meine Brüder“ und gibt zu, dass ihn viele davon unterstützen.

Das ist der Bildausschnitt, den die Welt von Ponomarjow bekommt. Keiner weiß, wer ihn nach Slawjansk geschickt hat und von wem er seine Kommandos bekommt. Wie stark seine Einheit ist und welche Waffen sie haben. Obwohl er vor laufenden Kameras beteuert hat, er würde sich von Putin nicht reinreden lassen, ist es für Beobachter ausgemachte Sache, dass er Know-how und Geld aus Russland erhält. In Donezk sind sich die Menschen einig, dass der geflüchtete Präsident Viktor Janukowitsch und sein Sohn Alexander die Rebellen finanzieren. Die Kommandoebene komme aus Russland, heißt es, die „Fußsoldaten“ seien aus dem Donbass rekrutierte Männer, viele von ihnen mit kriminellem Hintergrund.

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