• PORTRÄT WLADYSLAW BARTOSZEWSKI EX-AUSSENMINISTER POLENS:: „Das sind doch alles Amateure“

PORTRÄT WLADYSLAW BARTOSZEWSKI EX-AUSSENMINISTER POLENS: : „Das sind doch alles Amateure“

Sebastian Bickerich

Wie wichtig dieser Mann für Polen noch immer ist, das konnten Millionen Fernsehzuschauer schon am Wahlabend vor drei Wochen erleben. Donald Tusk, der künftige Ministerpräsident, hatte da seinen Sieg alleine Wladyslaw Bartoszewski gewidmet: „Herr Professor, der Anstand hat gesiegt.“ Eine Hommage Tusks an die Autobiografie des 85-jährigen großen alten Mannes der polnischen Diplomatie („Es lohnt sich, anständig zu sein“) – und ein Seitenhieb auf Präsident Lech Kaczynski, der nach seinem Wahlsieg vor zwei Jahren eine ganz andere Botschaft ausgesandt hatte, an Bruder Jaroslaw, die beider Staatsverständnis offenbarte: „Mission erfüllt.“

Nun ist die Doppelherrschaft der Zwillinge vorbei, und am Mittwoch wird Tusk wohl ein politisches Comeback ankündigen, das für Polen eine kleine Sensation und für Deutschland eine gute Nachricht ist: Wladyslaw Bartoszewski wird außenpolitischer Chefberater Tusks – mit einem Schwerpunkt auf den deutsch-polnischen Beziehungen.

Dass der 85-jährige Bartoszewski sich noch lange nicht auf das Altenteil zurückziehen wollte, hatte er schon im Wahlkampf gegen die Kaczynski-Brüder deutlich gemacht. Deren konfrontativen Stil in der Innen- und Außenpolitik lehnte er ab und schimpfte all die jungen Karrieristen im von den Kaczynskis gesäuberten Außenministerium „Amateure“. Jetzt will er mithelfen, die Beziehungen zu Berlin wieder zu kitten – und wer könnte das besser als er? Zweimal war der Auschwitz-Überlebende bereits Außenminister, nahezu die gesamte politische Elite in Deutschland kennt er persönlich, und in Polen selbst gilt er längst als moralische Autorität. Dem Vernehmen nach war er bereits in der vergangenen Woche zu Vorgesprächen in Berlin und lotete im Kanzleramt Initiativen zur Verbesserung der Beziehungen aus. Dabei besuchte er an dessen Urlaubsort auch seinen besten Freund in Deutschland, Helmut Kohl, der sich wie Altbundespräsident Richard von Weizsäcker in Zukunft offenbar wieder stärker für die deutsch-polnische Aussöhnung einsetzen will.

Ein Thema wird dabei in den kommenden Wochen eine zentrale Rolle spielen: das „sichtbare Zeichen“ zur Erinnerung an das Schicksal der deutschen Heimatvertriebenen. Bartoszewski lehnt eine Mitwirkung der Vertriebenenfunktionärin Erika Steinbach kategorisch ab und macht davon eine Beteiligung Polens an dem Projekt abhängig. Sebastian Bickerich

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