PORTRÄT WOLFGANG KUBICKI FDP SCHLESWIG-HOLSTEIN : "Wir verlangen Kompensation vom Bund"

Auf jedem Schiff, das dampft und segelt, gibt’s einen, der die Sache regelt – und das ist in Kiel Wolfgang Kubicki.

Stephan-Andreas Casdorff
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Foto: ddpddp

Seit einer gefühlten Ewigkeit ist er Fraktionsvorsitzender der FDP in Schleswig-Holstein: seit 1992, mit einer Unterbrechung, als er sich wegen der Affäre um die Deponie Schönberg für knapp drei Jahre von diesem Amt zurückzog. Da führte er Prozesse, erfolgreich. Unerschrockenheit ist eine seiner Charaktereigenschaften. Smart ist der 57-jährige gebürtige Braunschweiger auch, der seit Jahrzehnten hoch im Norden zu Hause ist und obendrein immer zu den zwei bekanntesten Politikern des Landes zählte. Der eine war immer der jeweilige Regierungschef, der andere er, der Oppositionsführer.

Kubicki, verheiratet, drei Kinder, war schon Vorsitzender der rebellischen Jungdemokraten in Schleswig-Holstein, und jung geblieben ist er bis heute. Kubicki hat sich dazu den Widerspruchsgeist aus alten Zeiten erhalten; den hat so mancher zu fürchten gelernt, in der Partei, deren Bundesvorstand, und außerhalb. Denn der studierte Volkswirt, der neben seiner Arbeit beim Unternehmens- und dann beim Steuerberater Rechtswissenschaften studierte, ist ein Anwalt von Graden: hart und schlagfertig. Zuletzt ist er bekanntermaßen in Sachen VW unterwegs gewesen. Aber er ist eben auch ein guter Anwalt in eigener Sache.

Es soll keiner seinen schnellen Witz und die (betont) coole Art im Umgang für Jovialität halten. Kubicki hält Abstand, in jeder Beziehung, wie sich auch jetzt zeigt, da er nicht in die Kieler Regierung gegangen ist, sondern in seinem Amt als Fraktionschef der Regierungsfraktion bleibt. Gegen den nichts geht, und sei es ein Ja zum Wachstumsbeschleunigungsgesetz.

Wenn ihn manche auch als geschmeidig bezeichnen, als aalglatt sogar, er hat seine Prinzipien. Kubicki war nie bloß der Möllemann des Nordens, er hielt dem Freund nur die Treue, bis es nicht mehr ging; bis der nicht mehr hören wollte, Warnungen nicht, keinen guten Rat, Kritik erst recht nicht.

Denn Kubicki nimmt eines wirklich ernst: das Liberale. Auch in der FDP. Er nimmt Liberalität für sich in Anspruch – und ist überraschend sprachlos, wenn ein Liberaler so redet: „Auf jedem Schiff, das dampft und segelt, gibt’s einen, der sie Sache regelt – und das bin ich.“ Wolfgang Kubicki würde das nicht sagen. Aber er würde sich genau so verhalten. Wie jetzt gerade wieder zu erleben ist. Wer ist noch mal in Kiel Regierungschef?

Stephan-Andreas Casdorff

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