PORTRÄT : Wolfgang Mayrhuber: „Berlin lebt doch nachts“

Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber ist ein Freund Berlins. Aus dieser Liebe heraus kann der 62-Jährige dessen Bewohnern und Freunden auch unbequeme Wahrheiten verkaufen.

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Foto: ddpddp

Dieser Österreicher ist ein chronischer Charmeur, als Sprecher schafft er es binnen Sekunden, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich seine Zuhörer wohl fühlen. Diese Fähigkeit muss einer wohl besitzen, der ein Unternehmen führt, das Menschen durch die Luft fliegt. Wolfgang Mayrhuber leitet seit fast sieben Jahren die Lufthansa. Dort profilierte er sich zugleich als harter Sanierer. Ein Kuschelmanager. Gibt es das? Geht das zusammen?

Am Dienstag konnte man beobachten, wie gut das geht: Der 62-Jährige sprach vor rund 200 Gästen der IHK Berlin, chronischen Lokalpatrioten also. Vor diesem Publikum spielte Mayrhuber sein Können aus: Erst sprach er über Fußball, Deutschland gegen Österreich. Im Stadion habe die Kanzlerin ihm zugeraunt, dass sein Fan-Schal, den er in ihrer Gegenwart um den Hals trug, ja „geschäftsschädigend“ sei. Das gab erste Lacher. Der große Manager machte sich klein, indem er das Klischee vom schrulligen Bürger der Alpenrepublik bediente.

Dann streichelte er die Berliner Seele, sprach von den Ursprüngen der Lufthansa in den 20er Jahren und wie sein Unternehmen nach dem Krieg lange einen Bogen um die Spree machen musste. Der schlimmen Geschichte wegen. Er skizzierte, wie das Unternehmen unter seiner Führung wieder zu einem wichtigen Arbeitgeber der Stadt wurde. Und es wurde deutlich, dass es auch sein Verdienst ist, dass in diesem Jahr der IATA, der Weltdachverband aller Luftfahrtgesellschaften, seinen Jahrestag in Berlin abhalten wird. Die Boschaft dahinter lautete: Ich liebe Berlin und wünsche der Stadt alles Gute – und das tut er wahrscheinlich wirklich.

So sprach am Dienstag ein Freund Berlins ein paar Wahrheiten mehr oder minder klar aus, die nicht jeder Berliner gerne hört. Berlin wird auch mit seinem neuen Flughafen BBI nicht die Nummer eins der Luftfahrt werden. In der Stadt gibt es nicht genügend Geschäftsreisende, BBI wird kein interkontinentales Drehkreuz sein.

Das hat natürlich historische Gründe. Aber auch die heutigen Berliner und ihr Senat sind dafür mitverantwortlich: Die Nachtflugverbote zum Beispiel seien einfach zu streng. „Berlin lebt doch nachts, warum sollte man den Flughafen dann nachts zumachen?“, fragte er. Das war eben seine charmante Art, dem Senat mitzuteilen, dass, wer als Standort in der ersten Liga mitspielen will, sich bei Nachtflugverboten nicht zu provinziell geben darf. Kevin P. Hoffmann

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