PORTRÄT YANG HUIYAN CHINESISCHE FIRMENERBIN: : „Meinem Vater verdanke ich alles“

Harald Maass

China Daily“ wusste er zuerst. Im April druckte die Staatszeitung das Bild einer unscheinbaren Frau im weißen Brautkleid. „Tut uns leid, Junggesellen! Chinas reichste Frau ist verheiratet!“, schrieb das Blatt. Seit Anfang der Woche ist es quasi offiziell. Laut der Zeitschrift „Forbes“, die jedes Jahr eine Liste der wohlhabendsten Chinesen erstellt, ist Yang Huiyan die reichste Frau der Volksrepublik. Das geschätzte Vermögen der 26-Jährigen: 16 Milliarden US-Dollar.

Den Reichtum verdankt die junge Frau ihrem Vater und dem Wirtschaftsboom. Vor zwei Jahren übertrug Yang Guoqiang, Besitzer der Immobilienfirma Country Garden in der südlichen Provinz Guangdong, zwei Drittel seines Unternehmens seiner zweitältesten Tochter. Als die Firma Anfang des Jahres an die Börse in Hongkong ging, rissen sich die Anleger um die Papiere. Am Tag des Börsengangs stieg der Aktienwert um 35 Prozent. Über Nacht wurde Yang, die in den USA an der Ohio-Universität studierte und noch vor kurzem im Management des Familienbetriebs gearbeitet hatte, zur Milliardärin.

Yangs Aufstieg ist bezeichnend für Chinas Entwicklung. Trotz der Beteuerungen der KP-Führung, die Wohlstandskluft zu schließen, werden die Reichen immer reicher. Laut der neuen Forbes-Liste verfügen 40 Chinesen über ein Vermögen von mehr als eine Milliarde US-Dollar – im vergangenen Jahr schafften das nur 15.

Ob der plötzliche Reichtum ihr Leben verändert, ist nicht bekannt. Wie viele Superreiche in China ist Yang äußerst öffentlichkeitsscheu. Ihr Ehemann soll Sohn eines hohen KP-Funktionärs sein, schreiben chinesische Zeitungen. „Gutherzig“ sei seine Tochter, sagt Vater Yang, und sie habe Geschäftssinn. Yang begann seine Karriere als einfacher Maurer. In den neunziger Jahren gründete er seine Immobilienfirma und kaufte billiges Brachland in Südchina auf.

Die Entscheidung, frühzeitig ins Immobiliengeschäft einzusteigen, erwies sich als goldrichtig. Weil immer mehr Chinesen in die Städte drängen, steigen die Immobilienpreise auf immer neue Rekordhöhen. Eine Wohnung in Schanghai kostet heute so viel wie in München – und das bei sehr viel niedrigeren Gehältern.

Der Aufstieg der jungen Frau wird deshalb auch kritisiert. „Viele normale Leute stöhnen unter den Hypothekenbelastungen“, schreibt das Blatt „Nanfang“. Wenn gleichzeitig Immobilienunternehmer so viel verdienen, sei das Wirtschaftssystem gestört. Harald Maass

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