PORTRÄT : Yukiya Amano: „Ich will die IAEO entpolitisieren“

Auf den neuen Chef der Internationalen Atomenergiebehörde warten brisante Dossiers. Dabei sieht der Japaner Yukiya Amano die politische Führung im Kampf für weniger Atomwaffen nicht bei sich, sondern bei den UN.

Jan Dirk Herbermann

Nach monatelangem diplomatischen Kampf hat er es geschafft: Der Japaner Yukiya Amano, 63, wird neuer Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO). In einer Stichwahl setzte er sich gegen den südafrikanischen Kandidaten Abdul Samad Minty durch. Vorgänger Mohammed el Baradei wird ihm zur Amtsübergabe Ende November brisante Dossiers übergeben. Ganz oben auf der Dringlichkeitsliste der Atompolizei steht das potenzielle Atomwaffenprogramm des Iran. Die IAEO-Inspektoren äußerten in ihrem letzten Bericht ihre Sorge über die „mögliche militärische Dimension“ des Projekts.

Vor seiner Wahl hatte Amano zum Atomkonflikt gesagt: „Ein Ausweg hängt von Irans Kooperation und Anstrengungen anderer Länder ab. Wir wissen nur, es gibt keine Lösung über Nacht.“ Er werde alles tun, um an dem Thema dranzubleiben. Dranbleiben muss der Japaner auch am Nuklearwaffenprogramm der Nordkoreaner – schließlich bedroht deren atomares Abenteuer das Heimatland des kommenden IAEO-Chefs direkt. Aber kann der ruhige Herr mit der hohen Stirn diese Herausforderungen meistern?

Auf jeden Fall gilt Amano als sehr erfahren. Er leitete als Vorsitzender den IAEO-Gouverneursrat, arbeitete für die Schließung von Block III des Unglücks-AKW in Tschernobyl, half den Russen bei der Verschrottung von AtomU-Booten. „Also hat meine Regierung wohl gedacht, ich sei als Leiter der IAEA geeignet“, sagt er.

Der Kandidat aus Tokio überzeugte auch die USA, Deutschland und andere westliche Mächte von seinen Fähigkeiten. Sie schätzen an ihm, dass er ein Mann der leisen Töne ist. Als Generaldirektor, so verspricht Amano, wolle er die IAEO „entpolitisieren“. Die forschen Worte seines Vorgängers el Baradei kamen vor allem in Washington nicht gut an. Der Friedensnobelpreisträger aus Ägypten agierte nach dem Geschmack der Amerikaner zu eigenständig in den Atomkonflikten mit dem Iran und Nordkorea. Die Regierung von Präsident George W. Bush versuchte sogar, eine dritte Amtszeit el Baradeis zu vereiteln. Erfolglos.

Amano hingegen macht klar: Die politische Führung im Kampf für eine Welt mit immer weniger Atomwaffen liegt nicht bei der IAEO – sondern bei der Uno und ihren Mitgliedstaaten. Kritiker werfen Amano denn auch vor, er sei ein blutleerer Technokrat, der sich den Wünschen aus Washington schnell beugen werde.

Jan Dirk Herbermann

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