PORTRÄT YVO DE BOER, KLIMACHEF DER UN: : "Die Uhr läuft, und es gibt noch viel Arbeit"

Yvo de Boer weiß, wie er den mühsamen Verhandlungsprozess über einen neuen globalen Klimapakt verkaufen muss, der im Dezember in Kopenhagen zu einem Kyoto-Folgeabkommen führen soll. Seit 1994 verfolgt er die internationalen Klimaverhandlungen, seit Herbst 2006 leitet er das UN-Klimasekretariat in Bonn.

Dagmar Dehmer

Yvo de Boer weiß, wie er den mühsamen Verhandlungsprozess über einen neuen globalen Klimapakt verkaufen muss, der im Dezember in Kopenhagen zu einem Kyoto-Folgeabkommen führen soll. Seit 1994 verfolgt er die internationalen Klimaverhandlungen, seit Herbst 2006 leitet er das UN-Klimasekretariat in Bonn. Der Niederländer, den seine Kollegen nur noch den „fliegenden Holländer“ nennen, weiß aber auch, wie schwer es ist, selbst wirkliche Durchbrüche in Details einer ratlosen Öffentlichkeit plausibel zu machen. Viele Konflikte zwischen den Klimadiplomaten bleiben den Beobachtern ein Rätsel. Und doch ist sich Yvo de Boer darüber im klaren, dass es Fortschritte beim Klimaschutz nur geben wird, wenn es einen internationalen Rahmen dafür gibt. Deshalb führt kein Weg an Kopenhagen vorbei.

Nach acht „dunklen Jahren“, wie der südafrikanische Umweltminister Mathinus van Schalkwyk die Regierungszeit des früheren USPräsidenten George W. Bush nennt, wittert der Klimasekretär nun Morgenluft. Die neue Regierung habe klargemacht, dass sie den Klimawandel für ein großes globales Problem halte und dass sie wieder eine Führungsrolle übernehmen wolle. Deshalb, findet de Boer, „stehen die Sterne gut für ein Abkommen in Kopenhagen“. Am Sonntag hat in Bonn die drittletzte der entscheidenden Verhandlungsrunden vor Kopenhagen begonnen. Und de Boer wird bis zum 8. April in täglichen Pressekonferenzen den Versuch unternehmen, die Verhandler anzutreiben, der Öffentlichkeit Fortschritte in Aussicht zu stellen, ohne aber gleichzeitig falsche Versprechungen zu machen. Das ist ein schmaler Pfad.

Manchmal muss der 54-Jährige Guerillataktiken einsetzen, um den Gesprächen wieder eine Richtung zu geben, ohne damit gleich neue Widerstände heraufzubeschwören. Wenn er zum Beispiel die Chancen der Finanzkrise für Investitionen in eine kohlenstoffarme Wirtschaft betont. Er weiß genau, dass es unter den gegebenen Umständen sehr schwer werden wird, den Industrieländern so viel Geld abzuknöpfen, wie es die Entwicklungsländer fordern, damit sie sich auf ein Abkommen einlassen. Um zu verhindern, dass dieses Misstrauen ein echter Stolperstein wird, reist de Boer zurzeit von Hauptstadt zu Hauptstadt. Das Magazin „Time“ fragte ihn unlängst, wie sich sein Leben auf dem Weg nach Kopenhagen denn so anfühlt. Dazu sagte er nur lakonisch: „Ich glaube nicht, dass ich ein Leben habe.“ Dagmar Dehmer

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