POSITIONEN : Frauen bestellen das Feld

Die Lösung zur Bekämpfung des Hungers ist weiblich.

Sheila Sisulu
Foto: WFP/Rein Skullerud
Foto: WFP/Rein SkullerudFoto: WFP/Rein Skullerud

Im vergangenen Jahr haben wir so intensiv wie selten zuvor erlebt, was jetzt auch die Grüne Woche in Berlin als größte Ernährungsmesse der Welt deutlich macht: Die globalen Nahrungsmittelmärkte sind vernetzt wie nie zuvor. Dürren 2012 in Nordamerika, Europa und Zentralasien haben dazu geführt, dass Getreide- und Nahrungsmittelpreise international rasant gestiegen sind.

Das Ergebnis: In vielen afrikanischen Dörfern konnten sich die Menschen nicht mehr ernähren. In Afrika gelten heute 239 Millionen Menschen als unterernährt. Sie müssen künftig zu wesentlich größerer Eigenverantwortung befähigt werden, damit sie sich selbst ernähren können. Die gute Nachricht ist: Heute gibt es ein viel größeres Bewusstsein für diese Herausforderung, und vor allem dafür, wer sie meistern kann – die Frauen Afrikas.

Frauen stellen die Mehrheit der in der Landwirtschaft tätigen Arbeitskräfte. Sie sind Hauptproduzenten, Verarbeiter und Händler der Nahrungsmittel. Das produktive Potenzial von Frauen ist unermesslich und die bestehende Chancenungleichheit ist einer der Hauptgründe wie auch der Folgen von Hunger: Die Länder mit den höchsten Hungerraten weltweit sind zugleich die Länder mit besonders großer Chancenungleichheit zwischen Männern und Frauen.

Der Zugang zu Land, Krediten, Technik und Energie entscheidet über den Beitrag, den Frauen in der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette leisten können. Doch bei fast all diesen Punkten stehen sie vor großen Hindernissen. Diese Barrieren wurden von den Vereinten Nationen nun analysiert. Immer noch ist es so, dass Frauen bis zu einem Drittel weniger Erträge produzieren können. Die Ursache sind mangelnder Zugang zu Ackerflächen, zu Samen und Düngemitteln wie auch zu Krediten. Wenn die regionale Nahrungsmittelproduktion befördert würde, wären die Preise niedriger und die Abhängigkeit von Importen geringer.

Gestärkt werden müssten erstens soziale Netze, die zugleich Gesundheit und Bildung für Frauen und Mädchen fördern, wie etwa Schulspeisungen. Sie sind die Basis für eine florierende Zukunft. Wenn ein Kind ein Jahr länger die Grundschule besucht, steigt das künftige Einkommen in der Regel um 10 bis 20 Prozent. Ein zusätzliches Jahr in der Mittelschule kann das Einkommen um 15 bis 25 Prozent erhöhen. Schulmahlzeiten geben armen Familien die Möglichkeit, ihre Töchter in die Schule zu schicken.

Auf politischer Ebene müssen wir zweitens als globale Gemeinschaft zusammenarbeiten, um gezielter Frauen in ländlichen Regionen zu unterstützen. Wir müssen von Frauen geführten Bauernverbänden und Kleinunternehmen ermöglichen, den Teufelskreis aus Hunger und Armut zu durchbrechen. Hierfür hat sich das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen mit UN Women und weiteren UN-Organisationen zusammengeschlossen, um eine Fünf-Jahres-Strategie zur Förderung von Frauen umzusetzen.

Auf nationaler und lokaler Ebene müssen wir drittens zusammenarbeiten, um Frauen dabei zu unterstützen, besser mit Klimaveränderungen und Wirtschaftskrisen umgehen zu können. Durch Projekte wie „Purchase for Progress“ erhalten Kleinbäuerinnen deshalb gezielt Kredite und landwirtschaftliche Ressourcen wie Saatgut und Schulungen, damit sie nachhaltig bessere und höhere Ernten erzielen und mehr verdienen können. Dadurch verschaffen sie sich zugleich größeren Einfluss in ihren Familien und Dörfern und sie können investieren, um ihr Einkommen weiter zu verbessern.

Wir können das Hungerproblem also mit dem vorhandenen Wissen und Techniken lösen. Wir müssen uns aber der Herausforderung von hohen, unbeständigen Nahrungsmittelpreisen stellen und sie zu einer Chance machen, vor allem für afrikanische Frauen. Der Sieg über den Hunger ist möglich, wenn wir vor allem Frauen befähigen, ihn selbst zu erringen.

Die Autorin ist stellvertretende Direktorin des Welternährungs-

programms der Vereinten Nationen.

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