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POSITIONEN : Mut, der Mut macht

03.11.2013 00:00 UhrVon Yakov Hadas-Handelsman
Yakov Hadas-Handelsman, Botschafter des Staates Israel in Deutschland.Bild vergrößern
Yakov Hadas-Handelsman, Botschafter des Staates Israel in Deutschland. - Foto: Kai-Uwe Heinrich

Das Geheimnis des Glücks ist die Freiheit, das Geheimnis der Freiheit ist der Mut. Aber was ist das Geheimnis des Mutes? Gedanken zum 75. Jahrestag der Pogromnacht.

Vor ein paar Wochen hatte ich das Privileg, an einer Gedenkveranstaltung für Berthold Beitz teilzunehmen, einem wichtigen Akteur des wirtschaftlichen Aufschwungs in Deutschland in der Nachkriegszeit und einem „Gerechten unter den Völkern“. Besonders hat mich die Rede von Bundespräsident Joachim Gauck inspiriert, in deren Zentrum ein Perikles-Zitat stand, das Berthold Beitz zu seinem Motto erklärt hatte: „Das Geheimnis des Glücks ist die Freiheit, das Geheimnis der Freiheit aber ist der Mut.“

In der Tat ist Freiheit niemals selbstverständlich. Sie ist der wichtigste aller Werte, sie ist die Grundlage unserer Gesellschaft, sowohl in Israel als auch in Deutschland, und sie ist das Ergebnis langer Kämpfe.

Am meisten schätzen wir das, wofür wir kämpfen müssen, und nicht das, was wir ohne Anstrengungen bekommen oder erreichen.

Die „Gerechten unter den Völkern“ gehören zu den Helden des Kampfes für die Freiheit. Sie retteten das Leben von Mitmenschen in der dunkelsten aller Zeiten. Sie retteten das Leben verfolgter Juden in Nazi-Deutschland und in den von Deutschland besetzten Ländern und riskierten dabei ihr eigenes Leben und das Leben ihrer Familienangehörigen. Allein für ihre selbstlosen Taten sollten sie als Helden anerkannt werden. Aber ihre Bedeutung reicht weit darüber hinaus. Menschen wie Berthold Beitz sind nicht nur Helden ihrer Zeit. Sie sind auch ein ewiges Leuchtfeuer, ein Beispiel und eine Demonstration dessen, was es bedeutet, ein Mensch mit Moral zu sein.

Heute sind die Kämpfe glücklicherweise anderer Natur. Dennoch werden mutige Menschen, die bereit sind, für ihre Ideale zu kämpfen und gegen den Strom von Gleichgültigkeit und Egoismus anzuschwimmen, immer gebraucht. Wenn wir in diesen Tagen, 75 Jahre nach der Pogromnacht, in der die Synagogen in ganz Deutschland brannten, in der Geschäfte geplündert und in der Juden verfolgt, gedemütigt, verhaftet und getötet wurden, über die Taten der „Gerechten unter den Völkern“ nachdenken, fragen wir uns: Was hätte ich an diesem Tag, in dieser Zeit, getan? Hätte ich so gehandelt wie die „Gerechten“ und mein eigenes Leben und das meiner Familie riskiert? Das sind wichtige Fragen, mit denen wir unsere moralischen Qualitäten „testen“ können. Es ist genauso wichtig, auch die folgende Frage zu stellen: Wie würde ein Held in unserer Zeit moralisch handeln?

Die Zeremonien, mit denen wir den einzigartigen Status der „Gerechten unter den Völkern“ würdigen, sind besondere Zusammenkünfte. Sie sind eine Quelle des Stolzes. Seit meiner Ankunft in Deutschland habe ich an einigen dieser Zeremonien teilgenommen. Ich habe die Dankbarkeit der Überlebenden und ihrer Nachkommen gesehen, und ich habe die Freude der Retter und den Stolz ihrer Nachkommen gesehen.

Ebenso habe ich die Bewunderung der jugendlichen Teilnehmer wahrgenommen, als sie jene Helden entdeckten, jene deutschen Helden, die, wie Berthold Beitz, ihre Menschlichkeit und ihre moralischen Werte niemals aufgaben. Wenn das Geheimnis der Freiheit der Mut ist, was ist dann das Geheimnis des Mutes? Es gibt keine einfache Antwort auf diese Frage. Aber ich denke, dass jede Antwort, egal wer sie gibt und unter welchen Umständen, den Glauben an den absoluten Wert moralischer Prinzipien und an den Willen oder das Vermögen, moralische Prinzipien in Handlungen umzuwandeln, beinhaltet. Mut ist eine schwer fassbare Qualität und es ist nicht immer einfach, seine Bedeutung zu verstehen. Er kann seinen Ausdruck auf viele verschiedene Arten finden. Doch wenn wir Mut sehen, erkennen wir ihn sofort als das, was er ist. Wir bewundern mutige Taten und lernen daraus. Indem wir dem Beispiel mutiger Männer und Frauen folgen, werden wir selbst zu besseren Menschen und machen die Welt zu einem besseren Ort.

Der Autor ist seit März 2012 Botschafter des Staates Israel in Deutschland. Das Programm der „Gerechten unter den Völkern“ der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem wird in diesem Jahr 50 Jahre alt. Geehrt werden nichtjüdische Menschen, die während des Holocaust unter Gefahr für das eigene Leben versuchten, Juden zu retten und dafür keine Gegenleistung erhielten. Es ist die höchste Auszeichnung, die der Staat Israel an Nichtjuden vergibt.

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