Positionen : Obamas Erfolg ist nur gemeinsam möglich

Der neue US-Präsident macht vor, wie gute Teamarbeit funktioniert. Die Triebfeder dabei ist der Wunsch nach Ergebnissen und Erfolgen.

Albert Nussbaum

Die Erwartungen an den neuen US-Präsidenten Obama sind überbordend. Er soll die Wirtschaftskrise meistern, die militärischen Konflikte im Irak und in Afghanistan beenden und den Friedensprozess im Nahen Osten beflügeln. Ganz nebenbei werden von ihm neue Impulse in der Wirtschafts-, Sozial- und Umweltpolitik erwartet. Die Vorstellung vom Übermenschen Obama, der Wunderdinge vollbringt, ist eine Illusion. Herausragende Leistungen entstehen in der Kooperation, also in Teams.

Umso spannender ist der Blick auf Obamas Team. Mit Hillary Clinton holt sich Obama seine vormals direkte Konkurrentin ins Kabinett. Und gleich zwei Minister gehören der gegnerischen Partei an. Wegen der bisherigen Konkurrenz untereinander macht bereits der Begriff vom „Team of rivals“ die Runde. Und schließlich sitzt im neuen Kabinett mit dem Physiker Steven Chu sogar ein Mann am Tisch, der in seinem ganzen Leben noch nicht in der Politik gearbeitet hat. Was aber sollte hochgradige Individualisten dazu bringen, sich im Team zu engagieren?

Die größte Triebfeder ist der Wunsch nach Ergebnissen und Erfolgen. Die Einsicht, dass die Komplexität vieler Probleme alleine nicht zu bewältigen ist, zwingt intelligente Menschen förmlich zur Kooperation. Sie sind auf die Fähigkeiten anderer angewiesen. Der zur Zusammenarbeit auf Augenhöhe fähige und reflektierte Mensch ist deshalb das Modell für zukünftigen Erfolg. Dies gilt für die Wissenschaft und die Wirtschaft, es gilt auch für die Politik. Einer der häufigsten Konstruktionsfehler bei der Zusammenstellung von Teams ist ein zu großes Bedürfnis nach Gleichartigkeit und Harmonie. So wie keine Fußballmannschaft aus 11 Stürmern bestehen kann, muss auch ein Team in Wissenschaft, Wirtschaft oder Politik aus unterschiedlichen Charakteren und Profilen zusammengesetzt sein. Denn es ist genau die Unterschiedlichkeit, die den Impuls zur Innovation in sich birgt. Individualität muss dabei erwünscht sein, persönlicher Freiraum zugestanden werden. Ebenso Fehler und Misserfolge, sie müssen als Teil des Prozesses verstanden werden.

Die Schlüsselbegriffe für die Teamfähigkeit einzelner sind Akzeptanz und Vertrauen. Und für alle Beteiligten muss klar sein: Auch der Erfolg wird am Ende geteilt, weil er nur gemeinsam möglich war. Wer ein Team nur als Plattform zur Verkündigung eigener Weisheiten oder als gute Gelegenheit zur persönlichen Bereicherung ohne fairen Austausch begreift, ist fehl am Platze.

Jenseits der Politik ist moderne Teamarbeit längst international geworden. Denn wer die besten Gedanken versammeln will, darf vor nationalen Grenzen nicht Halt machen. Und immer mehr verlagert sich Teamarbeit in die virtuelle Welt. Diese ermöglicht es allen Beteiligten, sich nicht nur mit ihrem gegenwärtig präsenten Wissen, sondern ihrer kompletten dahinter stehenden Struktur einzubringen. Oft arbeiten Spitzenkräfte parallel in mehreren Teams an unterschiedlichen Projekten und schaffen so eine Vernetzung unterschiedlicher Wissensfelder.

Die Politik könnte hiervon lernen, und der neue US-Präsident macht es teilweise vor. Bereits jetzt hat er mit der Zusammenstellung seines Kabinetts bemerkenswerte Führungsfähigkeit bewiesen. Er sucht aktiv die Zusammenarbeit mit denjenigen, die nicht immer seiner Meinung waren. Er bindet Menschen ein, die sehr unterschiedliche Erfahrungen, Biografien und Schwerpunkte einbringen. Gelingt es ihm und seinem Team nun, die gebündelten Fähigkeiten und Stärken gemeinschaftlich zielgerichtet einzusetzen, werden nicht nur die USA davon profitieren.

Wenn das „Team of rivals“ sich als „Team of equals“ versteht, wird der gemeinsame Erfolg all das überstrahlen, was jeder Einzelne für sich erreichen könnte. Und Obamas Wahlspruch „Yes, we can“ würde sich ein weiteres Mal bewahrheiten.

Der Autor ist Geschäftsführer der internationalen Personalberatung Mercuri Urval in Deutschland.

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