Meinung : Positionen: Sie sollen ruhig Angst haben

Tom Still

Am Anfang war das Entsetzen, dann kam die Trauer. Mit dem Abstand zum 11. September rückt immer die Frage in den Vordergrund, wie wir reagieren - aber auch, wie wir uns schützen. In den kommenden Wochen werden die Schwächen unserer Aufklärungsoperationen überprüft - Schwächen, die der Terroranschlag offen gelegt hat. Aber die Empörung darüber, warum es den Diensten nicht gelang, die Nation vor den Angriffen zu schützen, sollte von dem Wissen gedämpft werden, dass unsere Aufklärungsarbeit viele vorherige Terrorversuche vereitelt hat.

In der Tat kann uns geheimdienstliche Aufklärung keine Schutzgarantie gegen alle Formen des Terrorismus bieten. Das gilt besonders in einer demokratischen Gesellschaft, die die Freiheit liebt und deren Grundprinzipien manche Sicherheitsmaßnahmen nicht erlauben, die notwendig wären, um dem Terrorismus noch härter zu begegnen.

Wir sollten jetzt weniger die Frage diskutieren: Wo versagten die Aufklärungsdienste? Sondern: Was ist die beste Art, um unser Heimatland gegen diese Form des Terrorismus zu verteidigen?

Deshalb sollten wir sicherstellen, dass die Geheimdienste die Mittel, die Führung und die taktischen Strukturen erhalten, die sie für diese Aufgabe brauchen. Zudem sollte alles getan werden, ihre Arbeit mit den militärischen Aktionen gegen die Terroristen zu verknüpfen. Zum besten Weg, Terrorismus zu bekämpfen, gehört es nicht nur, zu wissen, was Terroristen gerade planen, sondern - diese Terroristen zu eliminieren.

Das wird schwierig. Wenn es leicht wäre, hätten wir Osama bin Ladens Terror-Organisation längst zerstört. Sie besteht aus einem besonders bösartigen und hoch entwickeltem Netz und steht im Verdacht, sich an den Angriffen vom 11. September beteiligt zu haben. Bin Laden und seine Organisation zu eliminieren ist besonders wichtig, weil sein Reichtum und seine Intelligenz es ihm ermöglichen könnten, Chemie- oder Atomwaffen zu beschaffen. Es gibt jedoch keine sicheren Hinweise auf bin Ladens Aufenthaltsort. Die braucht man, um ihn zu töten und um weitere Aktionen zu verhindern.

Militärische Operationen gegen den Terrorismus erfordern Geduld. Und: Wir dürfen nicht wahllos handeln. Unsere Aktionen müssen entschlossen sein, ein präzises Ziel haben und begleitet werden von einer Analyse der diplomatischen Folgen. Auch dafür müssen wir unsere Verbündeten in eine gemeinsame Front gegen den Terror einbinden. Sie wird gerade aufgebaut, vielleicht schneller, als die meisten Amerikaner gedacht haben. Die Nato hat den Bündnisfall erklärt: Der Angriff auf Amerika wird als Angriff auf alle Mitglieder gewertet.

Bei den Aktionen müssen wir uns aber wohl auch mit den Regierungen auseinander setzen, die Terroristen Unterschlupf gewähren und sie unterstützen - Irak, Iran, Afghanistan und Syrien eingeschlossen - und diesen Regierungen "Angebote machen, die sie nicht ablehnen können". Wenn nötig, müssen wir unsere Militäraktionen auch auf diese Staaten ausdehnen. Die Bush-Regierung hat diese Politik klar formuliert.

Wenn Sie daran zweifeln, oder wenn Sie ein schlechtes Gefühl haben bei dem Gedanken an militärische Einsätze gegen die bin Ladens dieser Welt, dann schauen Sie sich noch einmal die Bilder der Angriffe vom 11. September an, und denken Sie an die Zahl der Ermordeten. Wir sind in einen Krieg verwickelt, der anders ist als jeder Krieg, den wir vorher geführt haben. Aber es ist trotz allem ein Krieg, in dem wir kämpfen müssen, weil er - machen wir uns da nichts vor - gegen uns geführt wird.

Unsere Feinde sollen sehen, dass es einen internationalen Kampf gegen den Terrorismus gibt, eine globale Antwort auf diese neue Bedrohung. Sie sollen ruhig Angst haben. Amerika steht nicht alleine da.

Der Autor ist Chefkommentator und stellvertretender Chefredakteur des "Wisconsin State Journal" in Madison, einer liberalen Hochburg deutscher Einwanderung im Mittleren Westen der USA. Er steht den Republikanern nahe.

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