Poul Thomsen: : „Die Löhne sind zu hoch“

04.10.2012 00:00 Uhrvon
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Mit dem griechischen Finanzminister ist er schon lautstark aneinandergeraten. Nun versucht Poul Thomsen die Griechen zu weiteren Sparmaßnahmen zu bewegen. Ein Porträt.

Kritik ist Poul Thomsen gewohnt. Als der Däne im vergangenen März vor Studenten in der „London School of Economics“ erklärte, dass Athen weitere Anstrengungen bei der Verringerung des Haushaltsdefizits unternehmen müsse, wurde er von griechischen Studenten ausgebuht. Auch in Athen hat Thomsen, der Vertreter des Internationalen Währungsfonds (IWF) in der Troika, inzwischen die Rolle des Buhmanns übernommen. Er gilt mittlerweile bei vielen Beobachtern als derjenige, der unter den Vertretern der internationalen Geldgeber die striktesten Forderungen an die Regierung von Antonis Samaras stellt.

Seit Beginn dieser Woche schaut die Troika wieder in die Bücher der griechischen Regierung und prüft, ob das von Samaras geplante Sparprogramm in Höhe von 13,5 Milliarden Euro wirklich machbar ist.

Die Troika setzt ein dickes Fragezeichen hinter mehrere Posten, in denen Steuererhöhungen und Haushaltskürzungen aufgeführt werden – es geht dabei um eine Summe von 3,5 Milliarden Euro.

Dass die Troika das Athener Sparpaket nicht einfach durchwinkt, hat vor allem mit Poul Thomsen zu tun. Der Wirtschaftswissenschaftler, der als stellvertretender Direktor der Europa-Abteilung des IWF fungiert, ist den Griechen mit seinen harten Reform-Forderungen spätestens bekannt, seit er im vergangenen Februar in einem Interview mit der Zeitung „Kathimerini“ eine weitere Senkung der Arbeitskosten und des Mindestlohnes verlangte. „Die Löhne sind insgesamt im Vergleich zur Produktivität in Griechenland zu hoch“, sagte der 57-Jährige.

Ende September hatte Thomsen dann seinen Ruf in Griechenland endgültig weg, als es zu einer lautstarken Auseinandersetzung mit dem Athener Finanzminister Giannis Stournaras kam. Nach einem Bericht der „New York Times“ verlangte Thomsen weitere Kürzungen, worauf Athens Kassenwart die Nerven verlor. Stournaras habe dem Troika-Mann das Loch in einer Fensterscheibe im Finanzministerium gezeigt und ihn gefragt, ob er wisse, wie es zustande gekommen sei. Das Loch stamme von einer Kugel, abgefeuert von Demonstranten, habe Stournaras den Dänen aufgeklärt. Anschließend ist die Troika erst einmal aus Athen abgereist.

Thomsen dürfte aber kaum von seiner Linie abrücken. Als ihn Stournaras vor einer guten Woche vor einem Auseinanderbrechen der Athener Drei-Parteien-Koalition warnte, zeigte er sich unbeeindruckt. Albrecht Meier

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