Präsidentschaftsrennen in den USA : Der Pakistanmoment

Der Mord an Benazir Bhutto war einer der seltenen ehrlichen Momente im US-Wahlkampf: eine Situation, die für alle überraschend kam, weshalb die Bewerber keine fertige Antwort einüben konnten, um präsidial zu erscheinen.

Christoph von Marschall

Sie bemühten sich, weltpolitisch kompetent zu erscheinen und selbst in einer Aussage zu Pakistan noch ihre Hauptwahlkampfbotschaft unterzubringen.

Mike Huckabee, der Bassgitarre spielende Pfarrer und neue Star der Republikaner, stolperte. Er will die US-Grenzen für verdächtige Pakistanis schließen. Damit knüpft er an sein Versprechen an, Härte gegen illegale Migranten zu zeigen. Doch er verlegte Afghanistan von Pakistans West- an dessen Ostgrenze. Seine Behauptung, Pakistanis seien die größte Gruppe Illegaler aus Asien in den USA, erwies sich als falsch.

Mehr Sachkenntnis bewiesen die Demokraten Joe Biden, langjähriger Vorsitzender des Außenpolitischen Ausschusses, und Bill Richardson, früherer UN-Botschafter und Krisenunterhändler. Sie sorgten sich staatsmännisch um Pakistans Atomwaffen. Doch auch sie mischten eine Prise Aktionismus hinein. Richardson forderte Machthaber Musharraf zum Rücktritt auf. Biden betonte, er habe schon lange gesagt, Pakistan sei die größte Bedrohung – ein Seitenhieb gegen Präsident Bush, der sich auf Irak und Iran konzentrierte. Das verleitete den republikanischen Ex-Bürgermeister von New York, Rudy Giuliani, zu widersprüchlichen Aussagen. Er verteidigte Bush – „Er hat alles getan, was möglich ist“ – und versprach zugleich, „noch viel mehr zu tun, um die Gefahr zu bannen“. Also das Unmögliche?

Die Demokratin Hillary Clinton und der Republikaner John McCain erzählten von ihren Treffen mit Bhutto und Musharraf, um Mitgefühl und Erfahrung zu demonstrieren. Der schwarze Demokrat Barack Obama drohte, die Militärhilfe für Pakistan zu reduzieren, wenn die Wahl dort nicht frei verlaufe. Er betonte, Bushs Irakkrieg – den er von Anfang an ablehnte – habe die USA vom wahren Problem, Pakistan und Afghanistan, abgelenkt.

Der Pakistanmoment zeigt einmal mehr: Provinzgouverneuren wie Huckabee oder vorher Bill Clinton und Bush fehlt internationale Erfahrung, wenn sie Präsident werden. Und: Profilieren können sich Bewerber mit Außenpolitik kaum. Aber sie müssen die Aura von Kompetenz verbreiten. Fehler schaden.

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