Presseschau Ausland : Mutter Merkel und der kleine Nick

Angela Merkel und Nicolas Sarkozy treffen am Montag zu Gesprächen zusammen. Weil sie den französischen Präsidenten im Wahlkampf unterstützen will, wird die Kanzlerin in der Koalition kritisiert. Die französische Presse ist gespalten. Sie lobt Deutschland - und hört den Stechschritt donnern.

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Der französische Präsident sitzt bei einem Karnevalsumzug im italienische Viareggio als Napoleönchen auf einem kleinen Pferd.
Der französische Präsident sitzt bei einem Karnevalsumzug im italienische Viareggio als Napoleönchen auf einem kleinen Pferd.Foto: AFP

Angela Merkel und Nicolas Sarkozy treffen sich heute zu Gesprächen. Weil sie den französischen Präsidenten im Wahlkampf unterstützen will, wird die Kanzlerin in der Koalition kritisiert. Auch die französische Presse debattiert die Nähe des Präsidenten zu Deutschland.



Libération aus Paris warnt:

„Natürlich stellt niemand die deutsch-französische Eintracht grundsätzlich infrage, sie ist ein „Schatz“, der bewahrt werden muss und ein unersetzlicher Motor der europäischen Maschine. Doch der Präsident hat bei seinen Vorschlägen für eine Arbeitsmarktreform, Anm. d. Red.] vergessen zu erwähnen, dass die Deregulierung des Arbeitsmarktes auf der anderen Seite des Rheins eine Prekarisierung und einen deutlichen Anstieg der Zahl armer Arbeiternehmer nach sich gezogen hat. Der Kurs der Wettbewerbsfähigkeit gefährdet heute den Zusammenhalt der deutschen Gesellschaft.“

Der Philosoph Daniel Salvatore Schiffer erregt sich im Nouvel Observateur: „Die Franzosen werden es zur Kenntnis nehmen, dass die Repräsentantin eines fremden Landes, Mutter Merkel, sich anschickt, sich auf unpassende Weise in eine nationale Debatte einzumischen, indem sie ankündigt, ihren kleinen Nick im Wahlkampf zu unterstützen. Sie hat dabei nichts zu sagen. Sicher, Deutschland ist selbst eine „grande Nation“. Doch davon, sich an die Stiefel der Deutschen zu heften (ohne hier schlechte Wortspiele machen zu wollen) bis zum Überschreiten einer Schmerzgrenze, ist es nur ein Schritt, wenn es auch nicht unbedingt ein Stechschritt ist (Gott bewahre uns davor!). Vielleicht ist es Zeit, dass Frankreich endlich und für alle Zeiten seinen deutschen Komplex ablegt.“

Le Figaro sieht das anders: „Deutschland taucht im Moment in der öffentlichen Debatte so oft auf, dass man sich fragt, ob die Wahl nicht in Wahrheit eine Abstimmung über das deutsche Wirtschaftsmodell ist. Nicolas Sarkozy hat gute Gründe, diese Karte zu spielen. Wenn es auch sensibel ist, die Wähler mitten in der Krise aufzufordern, den Gürtel enger zu schnallen, wird es sich doch auszahlen, sich ein Beispiel an dem Land zu nehmen, das die Krise unter den Euroländern am besten bewältigt hat. Die Franzosen sind bereit, ihm in dieser Sache zu folgen.“

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