Prinzessin Charlotte : Dein Name sei Lottchen

Das britische Königshaus hat einen Namen fürs Kind gefunden. Und wen ehren diese Namen? Unser Kolumnist Helmut Schümann hat unstrittig herausgefiltert, vor wem sich die Windsors mit Charlotte verbeugen: Natürlich vor Berlin!

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Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann. Karikatur: Tagesspiegel
Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.Karikatur: Tagesspiegel

Nun also die Namensforscher. Die Wahl auf der Insel muss warten. Erst einmal muss erkundet werden, warum die Wahl der Namen so ausfiel, wie sie ausfiel, und wer alles aus dem Ahnenzirkel bedacht wurde bei Charlotte Elizabeth Diana. Die Namensforscher, die sich jetzt zu Wort melden, und das sind gefühlt alle, finden die Wahl langweilig, vorhersehbar, traditionell, eher spießig als weltoffen. Charlotte ist ja nun auch wirklich nicht der dernier cri. Hierzulande würde aus Charlotte leicht mal Lotti, Lotta, Lottchen, das sogar doppelt. So wie aus Charlottes Uroma Elizabeth auch schon mal „das Lisbeth“ geworden ist.

Wenn man es mit Plautus hält, ist nomen gleich omen. Dann kann so ein Lottchen schnell zur Bürde werden, so lieblich ist der Name auf den ersten Blick nicht. Vertraut man eher dem Faust – und damit ist man doch immer gut beraten –, ist Charlotte auch nur Schall und Rauch und es demnach schnurzpiepegal, ob das kleine Mädchen Prinzessin Charlotte Elizabeth Diana von Cambridge heißt oder Lady Piggy aus Cambridge so wie Cindy aus Marzahn. Nur den Briten, denen ist das nicht egal.

Sie loten aus, wer bei der Namensfindung mit einer Hommage bedacht wurde: die verstorbene Oma Diana, die noch agierende Uroma Elizabeth und mit dem Rufnamen irgendwelche alten Damen aus der Historie.

Dabei liegt die Reminiszenz doch klar auf der Hand. Der Prinzessinnen-Name ist eine tiefe Verbeugung vor, na, was wohl: vor Berlin natürlich! Das deutet sich schon im „Doppelten Lottchen“ an, auch wenn das eine Lottchen aus Wien stammte, das andere aus München. Und deren Vater, Erich Kästner, war gebürtiger Dresdener. Aber von derlei Petitessen sollte man sich nicht beeindrucken lassen, schließlich lebte Kästner lange in Berlin und sein Emil und dessen Detektive ermittelten in Schöneberg, Tiergarten und (!) Charlottenburg. Kästner, da beißt die Maus keinen Faden ab, war Berliner, das bestimmen wir immer noch selber. In Charlottenburg gibt es auch die Sophie-Charlotten-Straße und den Sophie-Charlotte- Platz. Und natürlich das Schloss Charlottenburg. Traditionell und schon von Geburt an haben die Windsors ein besonderes Verhältnis zu Schlössern.

Wem das noch nicht genug Belege sind für die Verneigung von William und Kate vor Berlin, der sei erinnert, was für ein Sektor das war, in dem das Schloss Charlottenburg steht. Das war der britische Sektor! Charlotte, dein Name sei Lottchen!

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