Meinung : Prioritätenliste des Senats

„Brücke ins Nirgendwo“ vom 1. November

Es ist ein Ärgernis, wie problemlos in Berlin Groß- und Prestigeobjekte geplant, beschlossen und durchgesetzt werden. Jetzt also eine Brücke auf dem Tempelhofer Feld. Die Kosten dafür sind schon kalkuliert, Beratungshonorare gezahlt. Frau Rohland von der Stadtentwicklungsverwaltung bekräftigt die Notwendigkeit des Bauwerks, „das den Verkehr zur Zentral- und Landesbibliothek aufnehmen soll.“ Des Bürgermeisters liebstes Kind ist schon „in trockenen

Tüchern“.

Wie wäre es mit der Umsetzung folgender Projekte: Der Senat saniert endlich (!) marode Schulen, eklige Toiletten, die kein Abgeordneter benutzen würde, Turnhallen, in denen seit Jahren kein Sportunterricht stattfinden kann, undichte Klassenfenster, erhöht die Zuschüsse für gesundes Schulessen, unterstützt sinnvolle Jugend- und Sozialprojekte, statt Gelder zu kürzen oder ganz zu streichen, repariert in Gänze „Schlaglochpisten“, statt Warnschilder aufzustellen. Die Liste ließe sich fortsetzen.

Das alles hat nichts miteinander zu tun? Verschiedene Ressorts, Budgetzwänge, Zuständigkeiten, eine naive Betrachtungsweise? Das mag sein. Aber all das ist wichtig für die Lebensqualität der Bevölkerung. Die Bezeichnung „Bürgermeister“ schafft da eine klare Aussage. Die Prioritätenliste zeigt die Interessenlage des Senats.

Angelika Oden, Berlin-Schmargendorf

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