Private Kassen : Kranker Luxus

Warum sollen sich Patienten sich mit ihrem Arzt anlegen, wenn die Krankenkasse alles erstattet? Die medizinische Selbstbedienung hat System.

Es ist ein offenes Geheimnis, dass sich viele Mediziner in Zeiten strafferer Ausgabenkontrolle an ihren Privatpatienten schadlos zu halten versuchen. Deshalb ja auch der Ärztemangel auf dem Land, wo es weniger privat Versicherte gibt. Deren Assekuranzen bezahlen anstandslos den zwei-, manchmal den über dreifachen Satz, es gibt weder Kostendeckelung noch Mengenbegrenzung oder Leistungsausschluss. Und auch kaum Kontrollen. So steht schon mal die ein oder andere Untersuchung auf der Rechnung, die nicht nötig gewesen wäre. Oder die gar nicht stattgefunden hat. Dem Patienten ist’s egal. Wozu sich mit dem Arzt anlegen, wenn die Versicherung alles erstattet? Die Privaten haben der medizinischen Selbstbedienung bisher zugesehen. Sie war gewissermaßen System. Schließlich will sich ihre Kundschaft besser versorgt fühlen als bei AOK, Barmer & Co. Doch der Luxus ist teuer erkauft. Während die gesetzlichen Kassen die Kosten mit Rabattverträgen drücken, explodieren bei den Privaten die Beiträge. Die Mitglieder sind sauer, das Neukundengeschäft bricht ein – einige Versicherer rätseln schon, ob ihr Geschäftsmodell noch trägt. Und die Ärzte? Von Moral reden wir lieber gar nicht, es geht ja ums Geld. Aber es ist auch nicht gerade schlau, an dem Ast zu sägen, auf dem man so behaglich sitzt. raw

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