Private Vorsorge : Von Riester zu Rilke

01.11.2012 00:00 UhrVon Rainer Woratschka

Die Grundannahme, dass sich alle Menschen zusätzlich absichern werden, hat sich als falsch erwiesen. Da gibt’s nur zwei Möglichkeiten.

Was die SPD derzeit so umtreibt, hat eine Vorgeschichte. Niemals hätte eine Regierung, noch dazu eine rot- grüne, dem Volk eine Rentensenkung um 20 Prozent aufbrummen können, wenn sie ihm nicht zugleich einen Ausgleich offeriert hätte. Wenn ihr zusätzlich fürs Alter vorsorgt, so das Angebot, bekommt ihr eine großzügige Förderung – und werdet die Einschnitte bei der gesetzlichen Rente gar nicht merken. Das Kompensationsprojekt, benannt nach dem Arbeitsminister, schien ein Erfolg: 15,6 Millionen Bürger haben inzwischen einen Riester-Vertrag abgeschlossen. Doch nach elf Jahren scheint die Grenze erreicht zu sein. Frei nach Rilke: Wer jetzt noch keinen hat, unterschreibt keinen mehr.

Zeit also für eine Bilanz. Fast jeder zweite Geringverdiener ist ohne geblieben, ausgerechnet. Und jeder fünfte Riester-Sparer bedient seinen Vertrag nicht mehr. Weil er es nicht kann oder jetzt erst kapiert hat, dass es sich für ihn gar nicht lohnt. Die Grundannahme, dass sich alle zusätzlich absichern werden, erweist sich als falsch. Da gibt’s nur zwei Möglichkeiten. Entweder die Riesterei für alle endlich wirklich attraktiv machen. Oder die Rentensenkung zurücknehmen.

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Unser/e Leser/in blinder meint zum Artikel: Besuch im Reichstag bleibt umständlich:
Da von den aktuell 620 Abgeordneten bei den Sitzungen sowieso nur 20% anwesend sind, bleiben fast fünfhundert Sitze unbelegt. Hier könnte man doch die wartenden Besucher nach der obligatorischen Einlasskontrolle "zwischenparken".
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