Pro Reli : Tag der Entscheidung

170.000 Stimmen werden benötigt. Die Träger der Initiative Pro Reli werden den 24. Dezember nutzen müssen, um vor den Kirchen noch einmal für eine Unterschrift unter das Volksbegehren zu werben.

Gerd Appenzeller

Am heutigen Montag will die Initiative „Pro Reli“, die sich für ein Wahlpflichtfach Religion an den öffentlichen Schulen der Stadt einsetzt, bekannt geben, wie viele Unterschriften sie bislang sammeln konnte. Die letzte genannte Zahl war 100 000. Bis zum 21. Januar muss sie auf 170 000 gestiegen sein, wenn es zu einem Volksentscheid kommen soll. Dem müssten dann freilich 700 000 Berlinerinnen und Berliner beitreten – eine Zahl, die zu erreichen kaum möglich sein wird. Im Moment geht es den beiden großen christlichen Kirchen, aber auch den Muslimen, den jüdischen Gemeinden und den Buddhisten daher nur um den Etappenerfolg. 170 000 scheint keine große Hürde zu sein, wenn man bedenkt, dass es in Berlin über eine Million Menschen gibt, die entweder katholische oder evangelische Kirchensteuer zahlen. Jeder Dritte von ihnen besucht am Heiligen Abend einen Gottesdienst. Die Träger der Initiative werden also den 24. Dezember nutzen müssen, um vor den Kirchen noch einmal für eine Unterschrift unter das Volksbegehren zu werben. Für die Amtskirchen selbst, aber auch für alle jene, die sich einer Glaubensgemeinschaft zurechnen, wird das am Ende eine Nagelprobe sein: Ist die Bindewirkung der Religion in einer weitgehend atheistischen Stadt noch stark genug, dem rot-roten Senat das Missbehagen an der staatlichen Schulpolitik zu signalisieren? Man muss nicht Bischof sein, um das Ergebnis mit Spannung zu erwarten.

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