Meinung : Prof. Dr. Kind

„Gymnasien fordern zusätzliche fünfte Klassen“ vom 25. März

Die Tatsache, dass das eigene Kind so schnell wie möglich den Bildungsabschluss, idealerweise das Abitur mit 1,0, schafft, zeugt eher von einer zu großen Oberflächlichkeit dem Kind gegenüber. Jedes Elternteil sollte daher sein Kind so individuell wie nur möglich fördern. Die grundständigen Züge der Gymnasien können eine Lösung sein, müssen es aber nicht. Und, etwas reißerischer gefragt: Was hat das Kind davon, dass es noch idealerweise irgendwann eine Klasse überspringt? Das Abitur mit 17, der Master mit 21, mit 23 promoviert und mit 25 schon habilitiert? Möchten Sie als Eltern wirklich, dass ihr Kind 40 Jahre (und mehr — je nach weiterer Entwicklung des Renteneintrittsalters) arbeiten soll? Ohne Freizeit, ohne das Gefühl, dass es eine schöne Kindheit mit Luft zum Atmen gehabt hat?

Timo Fabian Hartmann, Cottbus

„Jedes dritte Vorschulkind spricht schlecht Deutsch“ vom 26. März

Jedes dritte Vorschulkind spricht schlecht Deutsch — und womöglich ist jedes dritte Vorschulkind von seiner Geburt an täglichem Geräuschmüll ausgesetzt gewesen: Zwangsweise stundenlanges Radiohören, oft auch Fernsehgeräusche verhindern, dass elterliches und geschwisterliches Sprechen ohne Nebengeräusche wahrgenommen werden. Sprache ist für die Kleinsten in unserer Gesellschaft durch die allgegenwärtige Beschallung eindimensionaler Sprechbrei. Eine klare Sprache ohne Zusatz, so wie ein Glas klares Wasser ohne Sirup, ist bekömmlich. Wurde von Wissenschaftlern schon untersucht, wie das Nachplappern von Eltern und Geschwistern heutzutage geschieht, wenn mehr Sprache durch Radio und Fernsehen aufgenommen wird als durch natürliche Personen? Passive Zwangsbeschallung findet aller Orten statt: im Supermarkt, beim Frisör, im Kaufhaus und leider auch in der Mensa meines Arbeitsplatzes. Selbst in den Kinderabteilungen der Kaufhäuser und in Kinderboutiquen dudelt es aus allen Ecken. Wie kann ein Kind da die Ohren spitzen und Feinheiten der Sprache feststellen? Der fremdbestimmte Geräuschmüll ist für Kinder genauso schädlich wie passives Rauchen.

In Kindergärten versuchen Erzieherinnen, den kindlichen natürlichen Geräuschpegel zeitweise durch Radio Teddy oder anderes CD-Gequake zu dämmen. Immer wieder gesungene Lieder mit allen Strophen sind bestimmt hilfreich, Gefallen an der Sprache zu finden.

Margot Stommel, Teltow-Seehof

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