Meinung : Profitable Sünden

Das staatliche Wettmonopol ist nicht mehr zu halten – es lebe die kontrollierte Offensive

Robert Ide

Sollte der Staat Bordelle betreiben, um den illegalen Frauenhandel einzudämmen? Sollte der Staat mit Drogen handeln, um einen Missbrauch zu verhindern? Sollte der Staat Sportwetten anbieten, um der Spielsucht vorzubeugen? Eigentlich müsste die Antwort auf diese Fragen immer Nein lauten. Dummerweise lautete die Antwort bezüglich der Sportwetten in der bundesdeutschen Realität zuletzt ganz eindeutig – ja.

In jedem Lottoladen an der Ecke konnten die Deutschen auf Spiele der Bundesliga und anderer Ligen wetten. Der staatliche Anbieter Oddset warb dafür in Anzeigen, in Stadien und – da er auch Sponsor der Fußball-WM ist – mit WM-Tickets als Gewinn. Sieht so die Eindämmung des Glücksspiels aus? Das Bundesverfassungsgericht fand darauf am Dienstag eine eindeutige Antwort: natürlich nicht.

Bis Ende 2007 hat der Gesetzgeber nun Zeit, sich zu entscheiden: Will er das Wettmonopol behalten, darf er nicht massiv für das Glücksspiel werben. Will er mitverdienen am boomenden Geschäft, muss er private Anbieter zulassen. Da dem Sport traditionell Einnahmen aus Wetterlösen zustehen, müssten dann auch die bisher illegalen Anbieter die Vereinsarbeit unterstützen.

Wettbewerb oder Monopol – das ist auf dem sensiblen Wettmarkt keine einfache Wahl. Mit einer Liberalisierung kann der Graumarkt der Buchmacher, die mit alten DDR-Lizenzen und der Vermittlung an ausländische Anbieter operieren, legalisiert werden. Das Wettfieber der Deutschen, bei vielen erst durch den Manipulationsskandal um Schiedsrichter Robert Hoyzer angeregt, könnte noch zunehmen. Theoretisch spricht also vieles dafür, ein Monopol zu schaffen und gegen illegale Anbieter – bis zum privaten Wettbüro an der Ecke – rigoros vorzugehen. Selbst wenn noch mehr Zocker ins Internet abwandern sollten: Der Staat würde seiner Fürsorgepflicht nachkommen, er würde ein seriöses Angebot auf dem Tippzettel präsentieren; begleitet von Aufklärungskampagnen, begrenzt durch Höchsteinsätze, kontrolliert durch die Behörden. Wer dieses Angebot nicht befolgt, wäre selbst an seiner Spielsucht schuld und würde sich strafbar machen. Ein Verbot ist nicht nutzlos, nur weil es von einigen nicht befolgt wird.

Das Problem ist allerdings ein praktisches: Ein Wettverbot ist kaum durchsetzbar. Wie soll die Polizei jemanden daran hindern, im Internet bei einer österreichischen Firma auf die nächste Gelbe Karte in einem Zweitliga- Spiel zu setzen? Der deutsche Wettmarkt wurde per Tastendruck und Funksignal längst globalisiert. Ein Verbot ist nutzlos, wenn es nicht mal ansatzweise durchsetzbar ist.

Oddset wurde eingeführt, weil der Staat an der Spiellust der Deutschen mitverdienen wollte. Das Bundesverfassungsgericht hat das erkannt und ein kluges Urteil gefällt. Es weist den Weg zu einem freien, aber kontrollierten Markt. Nun könnten Lizenzen vergeben werden, mit denen der Sport finanziert und Kampagnen gegen die Sucht bezahlt werden. Die Privaten müssten sich an der Aufklärung beteiligen. Der Staat dürfte im Gegenzug mitverdienen. Das wäre endlich eine ehrliche Wette.

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