Prostitution : Eilige Korrektur

Plötzlich soll alles ganz schnell gehen: Zu den ersten Gesetzen, die sich Union und SPD für ihre Koalition vorgenommen haben, gehört der Kampf gegen Zwangsprostitution und Menschenhandel. Korrigieren wollen die Partner damit Auswüchse, die Rot-Grün im Jahr 2001 mit der Liberalisierung der Rotlicht-Gesetze ermöglicht hat. Die SPD geht auf Distanz zur damaligen Reformstimmung, in der die Einklagbarkeit des Sex-Lohns und der Zugang zur Sozialversicherung für Huren mehr Schutz bringen sollten. Viel spricht dafür, dass diese Hoffnung sich nicht erfüllt hat, aber präzise Daten darüber können auch die Sozialwissenschaftler nicht bieten. Deshalb ist der nüchterne Ton, mit dem die SPD über das Vorhaben spricht, weitaus angemessener als die Selbstgewissheit, mit der manche aus der Union über Motive und Leben von Männern und Frauen sprechen, die ihre Körper verkaufen. Die Korrektur von Fehlentwicklungen ist nötig, eine Rückkehr zu moralischen Staatsurteilen über jede Form von Prostitution nicht. Bei aller Eile sollten Union und SPD deshalb genau hinsehen – und vor allem mit denen sprechen, deren Lage sie doch verbessern wollen. hmt

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