Meinung : Protest ist Trumpf

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Woher kommt die beste Nachricht bei dieser Europawahl? Aus Malta. Ausgerechnet auf der kleinen Mittelmeerinsel, die wie die neun anderen Beitrittsstaaten seit 1. Mai zum Brüsseler Club gehört, haben die neuen EUBürger geradezu euphorisch von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht und brachten es auf eine Beteiligung von rund 80 Prozent. Ansonsten liegt das kleinste EU-Mitglied voll im Trend: Auch hier bekam die Regierungspartei von den unzufriedenen Wählern einen Denkzettel verpasst, auch hier triumphierten die Europa-Gegner. Von London bis Prag, von Dublin bis Riga – bei dieser Europawahl galt die Devise: Protest gegen die Regierenden ist Trumpf. Auch vor fünf Jahren hatte sich gezeigt, wie stark das Unzufriedenheits-Pendel bei Europawahlen ausschlägt. Neu sind diesmal zwei Dinge: Eine besonders starke Wahlmüdigkeit in Osteuropa und das Erstarken von anti-europäischen Kandidaten und Parteien, die dem neuen Europaparlament einen breiten, sehr unübersichtlichen Rand geben werden. Mit dem Erfolg etwa der UK Independence Partei in Großbritannien und des selbsternannten Euro-Saubermanns und Spesenkritikers Hans-Peter Martin in Österreich wird die gesamte EU auf eine Bewährungsprobe gestellt: Entweder sie vermittelt ihren Bürgern künftig den Sinn ihres Daseins – oder sie verliert weiter an Vertrauen. ame

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