Meinung : Protestieren, aber professionell

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Alles so fad. Die Japaner stechen zum Walfang in See, und kein einziges Schlauchboot wirft sich ihnen entgegen. Praktisch unbemerkt hat der Wald sein eigenes Sterben überlebt, kein Kampagnero ruft mehr flüsternd in den Redaktionen an und lädt zur Schornsteinbesteigung im Morgengrauen ein. Stattdessen reisen alle zu Attac nach Florenz und genießen das Gefühl, irgendwie gegen alles und damit auf der sicheren Seite zu sein. So geht es natürlich nicht, und deshalb sei hier auf die bislang wenig beachtete Gründung der schweizerischdeutschen „Gesellschaft für Campaigning" hingewiesen. Ihr Ziel ist die Qualitätssicherung in Ausbildung und Praxis: Kein Gestotter mehr am Telefon, nie wieder Leere im Tank des Außenborders, sondern lecker Pressemappen mit Foto-CD und strategische Zielsuche. Das Berufsbild des Protestprofis, so lesen wir, unterscheidet sich nur minimal von dem des Chefs einer Werbeagentur, und so kann es nicht mehr lange dauern, bis der Mann von Greenpeace in der TV-Reklame über den gefährlichen Lochfraß an AKWs referiert und Herr Kaiser vom BUND am Frühstückstisch den Baum des Jahres vorstellt. Zum Lehrberuf „Campaigner" ist es dann nur noch ein kleiner Schritt, und wenn die Grünen nicht gestorben sind, dann darf bald jeder von uns einen einstellen, auf 350-Euro-Basis. Na, vielleicht kann er nebenbei wenigstens ein wenig Staub saugen.

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