Prozess gegen Mubarak : Es wird ernst am Nil

Der 3. August war ein historischer Tag für Ägypten. Zum ersten Mal seit den Zeiten der Pharaonen musste sich ein Herrscher am Nil vor einem ordentlichen Gericht eine Anklage auf Mord, Mordversuch und Selbstbereicherung anhören. Damit ist er noch nicht verurteilt, doch das Signal ist gesetzt: Auch unantastbare Potentaten können eines Tages für ihre Untaten zur Verantwortung gezogen werden. Und so fokussiert sich in dem spektakulären Verfahren noch einmal die ganze nationale Erfahrung des Landes der letzten 30 Jahre – die immer fester angezogenen Schrauben des Regimes, die Willkür des Machtapparats und schließlich die erfolgreiche Selbstbefreiung des Volkes. Der Prozess wühlt die Nation auf. Hosni Mubarak sei kein Saddam Hussein, sagen die einen und haben Recht. Andere trauern um ihre Kinder oder Geschwister und fordern eine Strafe, wie sie jeder namenlose Mörder erhalten würde. Die ersten Stunden in der Kairoer Polizeiakademie aber haben die Ägypter überzeugt, dass jetzt endlich Ernst gemacht wird. Die wenigsten wollen Mubarak am Ende wirklich hängen sehen. Ihnen reicht ein Urteil und Arrest bis zum Lebensende. Und das wäre schon Menetekel genug für die übrigen Despoten der Region. M.G.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben