Prozess gegen U-Bahn-Schläger Torben P. : Macht Täter nicht zu Opfern

Harald Martenstein wünscht sich, dass jemand dem U-Bahn-Schläger Torben P. klarmacht, dass man sich aus der Verantwortung für ein Verbrechen nicht mit bedauernden Worten herauswinden kann.

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Mehrfach trat der Täter dem am Boden liegenden Opfer an den Kopf.
Mehrfach trat der Täter dem am Boden liegenden Opfer an den Kopf.Foto: Polizei

Torben P., der U-Bahn-Schläger, hat einen Mann lustvoll und unter Jubelrufen zu Tode getreten. Nein – das Opfer lebt ja! Warum? Weil zufällig Sommer war. Im Winter hätte Torben wohl etwas festeres Schuhwerk getragen, dieses Detail hat seinem Opfer wahrscheinlich das Leben gerettet. Nach der Tat legte sich Torben P. schlafen, so lange, bis ein Nachweis des Alkoholpegels in seinem Blut nicht mehr möglich war. Vor Gericht sagt er, er sei volltrunken gewesen. Die Zeugenaussagen sprechen dagegen. Er sagt auch, dass er sich an die Tat nicht mehr erinnern könne. Aber einer Mitschülerin konnte er, kurz danach, den Tathergang durchaus schildern. Vom Recht des Angeklagten, seine Richter anzulügen, scheint der junge Mann üppigen Gebrauch zu machen.

Der Verteidiger des jungen Mannes verlangt, Torben P. lediglich zu einer Bewährungsstrafe zu verurteilen. Die Begründung ist interessant: Der junge Mann sei einer diffamierenden und entblößenden Presseberichterstattung ausgesetzt gewesen. Dies belaste ihn sehr. Ständig muss Torben P. unfreundliche Dinge über sich in der Zeitung lesen, auch heute wieder, eine fürchterliche Strafe, gewiss.

Markus P. provozierte vor Schlägerei am U-Bahnhof Friedrichstraße
Dreimal rempelt der in blau gekleidete Markus P. seinen Gegner an, der dabei fast zu Boden geht. Alle drei Beteiligten sind sichtbar betrunken, schwanken und stolpern über den Bahnsteig.Alle Bilder anzeigen
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25.07.2011 15:07Dreimal rempelt der in blau gekleidete Markus P. seinen Gegner an, der dabei fast zu Boden geht. Alle drei Beteiligten sind...

Ich bitte um Verständnis für die Journalisten. Es ist für jeden Autor sehr schwierig, einen brutalen Gewalttäter in sonnigem Licht erscheinen zu lassen, selbst Nobelpreisträger sind daran schon gescheitert. Wenn allerdings wirklich eine negative Presse ein wichtiger Strafmilderungsgrund sein sollte, dann müssen wir über die Justizgeschichte neu nachdenken – über Osama bin Laden, über den Kannibalen, über Adolf Eichmann oder über Gaddafi ist, zum Teil jahrzehntelang, fast nur Abwertendes und Diffamierendes geschrieben worden. Vor allem Eichmann soll, wenn er nicht gerade mordete, ein freundlicher, kultivierter und zurückhaltender Mann gewesen sein.

Ich will nichts gleichsetzen, ich möchte lediglich auf den Irrsinn dieses Arguments hinweisen. Ich bin auch gegen Hetze oder Pogromstimmung, Torben P. betreffend. Er soll seine Strafe absitzen und dann eine neue Chance bekommen. Aber ich bin dagegen, aus Tätern Opfer zu machen. Man muss dem jungen Mann klarmachen, dass man sich aus der Verantwortung für ein Verbrechen nicht mit bedauernden Worten, mit einer Entschädigung, geschicktem Lügen und Selbstmitleid herauswinden kann. Eine Sozialarbeiterin sagte vor Gericht, zu Torbens Entlastung, er suche von sich aus das Gespräch, sei höflich, konzentriert, aufmerksam, er befasse sich viel mit seiner Tat und denke viel über sich nach.

Ich will nichts gleichsetzen, ich möchte lediglich auf den Irrsinn eines Arguments hinweisen: Das alles könnte man, genauso, Wort für Wort, auch über Anders Breivik sagen, den Oslo-Killer.

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