Prozessauftakt im Fall Jonny K. : Wahrheit und Kurzschluss

In den Augen der Öffentlichkeit galt bislang derjenige als der Hauptschuldige im Fall Jonny K., der am weitesten geflohen war. Doch das könnte sich im Laufe des Prozesses als Kurzschluss erweisen.

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Prozessauftakt im fall Jonny K.: Die Angeklagten verbergen ihre Gesichter.
Prozessauftakt im fall Jonny K.: Die Angeklagten verbergen ihre Gesichter.Foto: Reuters

Die Tage nach dem Tod von Jonny K. waren die Zeiten des ungezügelten Zorns. Das Opfer grausam erschlagen, die Angehörigen erschüttert, die Täter teils geflohen, teils freigelassen und beim Spazierengehen im Park mit der Freundin zu sehen – so etwas ist nur schwer zu ertragen. Frank Henkel sprach damals aus, was wohl viele dachten und empfanden, was aber als Beitrag eines Innensenators auch nur schwer zu ertragen war: „Ich will das nicht verstehen.“

Das Gegenteil davon brachte die Schwester des Opfers am ersten Prozesstag zum Ausdruck, als sie sagte: „Ich will, dass die Wahrheit rauskommt.“ Und genau darum geht es vor Gericht, nicht um Rache, nicht um Gerechtigkeit, sondern um Recht, das gesprochen wird auf der Basis der Erkenntnis. Es wird nicht leicht sein, den Tatbeitrag jedes einzelnen Angeklagten zweifelsfrei zu belegen.

Prozessbeginn im Fall Jonny K.
Seit Mitte Mai müssen sich die sechs Angeklagten im Fall Jonny K. vor Gericht verantworten. Sie sollen Jonny K. im Oktober 2012 in der Nähe des Berliner Alexanderplatzes mit Tritten und Schlägen attackiert haben. Kurz danach erlag das Opfer seinen Gehirnblutungen. Seine Schwester, Tina K., wohnt dem Prozess bei. „Ich will wissen, wer schuld ist“, sagte die 28-Jährige vor Prozessbeginn.Alle Bilder anzeigen
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13.05.2013 13:26Seit Mitte Mai müssen sich die sechs Angeklagten im Fall Jonny K. vor Gericht verantworten. Sie sollen Jonny K. im Oktober 2012 in...

Was aber schon gleich zu Beginn deutlich wird, ist ein Kurzschluss, dem damals, in den Tagen des Zorns, viele erlagen: Derjenige, der am weitesten geflohen war, ist nicht zwangsläufig auch derjenige, der am schlimmsten und folgenschwersten geschlagen und getreten hat in jener Nacht. In einem Rechtsstaat ist Zeit, das zu klären.

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