Meinung : „Put the fish on the table“

Markus Ehrenberg

Es ist Europas Gelddruckmaschine: mit Gruner+Jahr-Zeitschriften (Stern, Brigitte), der RTL-Group mit dem gleichnamigen Günther-Jauch-Erfolgssender, der Verlagsgruppe Random House, dem Medien-Dienstleistungsunternehmen Arvato und der Musiksparte Sony BMG; alles in allem: Bertelsmann. Bertelsmann, das sind Niederlassungen in 63 Ländern, das ist ein Umsatz von 17,9 Milliarden Euro (in 2005), und das ist der – vermutlich – neue Vorstandsvorsitzende Hartmut Ostrowski, 48, der Europas größten Medienkonzern ab 2008 leiten soll und damit Nachfolger von Gunter Thielen, 64, wird, dessen Vertrag in diesem Jahr ausläuft.

„Alles wissen es, nur ich nicht“, hat Ostrowski zuletzt gebetsmühlenartig wiederholt. Wohl eine taktische Maßnahme – BertelsmannEigentümerin Elisabeth („Liz“) Mohn, 65, schätzt große Sprüche in der Öffentlichkeit nicht allzu sehr. Offiziell wird die personelle Weichenstellung erst am heutigen Freitag vom Bertelsmann-Aufsichtsrat bekannt gegeben. Wenn es der Chef der Druck- und Servicesparte Arvato doch nicht werden sollte, wäre das fast so spektakulär wie die Absage Günther Jauchs an die ARD. „Alles läuft auf Ostrowski hinaus“, heißt es in Gütersloh. Außenseiterchancen werden noch dem Verantwortlichen für die in der Konzernsparte Direct Group gebündelten Buchclubgeschäfte, Ewald Walgenbach eingeräumt.

Ostrowski gilt als Vertrauter Thielens. Der Diplomkaufmann aus Bielefeld arbeitet seit 1982 bei Bertelsmann, seit 2002 bei Arvato, wo sich Ostrowski mit strikter Kostenkontrolle für höhere Aufgaben empfahl. Ihm wird eine gewisse Hemdsärmeligkeit nachgesagt, einer seiner Lieblingssprüche: „Just do it!“ Bei Tischgesprächen soll der zweifache Vater gerne mal einen in Thailand produzierten Holzfisch aus dem Sakko holen, auf den Tisch legen und sagen: „Put the fish on the table.“

Solch Tatkraft dürfte der in der Region verwurzelte Ostrowski im neuen Job auch nötig haben. Vorgänger Thielen hat sich nach Angaben aus Konzernkreisen zum Ziel gesetzt, die Verschuldung des Unternehmens bis zu seinem Wechsel in den Aufsichtsrat Ende des Jahres deutlich zu senken. Der Nachfolger soll sich auf die Ausrichtung des Konzerns fürs neue Medienzeitalter konzentrieren. Sony BMG konnte mit dem Musikverkauf über das Internet das wegbrechende Tonträgergeschäft nicht kompensieren. Da braucht es mehr als Holzfische.

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