Putin und die Raketenabwehr : Verbale Abrüstung

Natürlich kann man das wieder einen typisch Putin’schen Bluff nennen. Sicher wird er gewusst haben, hören wir schon, dass eine aserbaidschanische Radarstellung viel zu nahe am Iran liegt, um dort schon die Flugbahn einer im Nachbarland abgefeuerten Rakete genau berechnen zu können. Und dann wäre das Thema als Propagandagag abgehakt. Aber schätzt man das intellektuelle Potenzial des russischen Präsidenten nicht etwas gering ein, wenn man ihm unterstellt, er würde in Heiligendamm mit einem Taschenspielertrick auftreten, der innerhalb von 24 Stunden als solcher entlarvt ist? Vielleicht lässt sich das Signal auch anders deuten, nämlich so: Ja, wir akzeptieren, dass es da eine Bedrohung gibt. Lasst uns gemeinsam überlegen, wie man ihr begegnen kann, vor allem wo. Dies herauszufinden, gibt es in beiden Ländern genug Experten. Was man dann tut, ob man etwas tut, wäre dann wieder die politische Entscheidung. In jedem Fall ist das Raketenthema im direkten Gespräch zwischen Bush und Putin seit Donnerstag aus der rein konfrontativen in eine argumentative Phase befördert worden. Wenn der russische Präsident seinen amerikanischen Kollegen demnächst in den USA besucht, kann man weiter daran arbeiten. Je mehr gemeinsame Projekte es gibt, siehe Weltraumstation ISS, desto mehr schwindet das Interesse an Muskelspielen. Wie hat George W. Bush Anfang der Woche in Prag gesagt? Russland ist nicht mehr unser Gegner. Das ist doch keine schlechte Basis. apz

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