Meinung : Qual der Zahl

Die CSU kämpft mit sich und mit Umfragewerten – 50 minus x dürfen es nicht werden

Stephan-Andreas Casdorff

Logisch, dass sie die Seriosität der Zahlen bezweifeln. Selbstredend wollen die Christsozialen in Bayern nicht wahrhaben, dass der Trend nicht ihr Genosse ist. 44 Prozent! Unmöglich! Oder?

Nun kann es tatsächlich sein, dass dieses Meinungsforschungsinstitut, eines für Marktforschung, den Wählermarkt für die CSU kleiner als andere bewertet. Nur kann auch dieses Institut rund 1000 Befragte vorweisen und sah die Partei jüngst noch bei rund 50 Prozent. Und da schrie keiner gequält auf.

Aber sei’s drum, ein weiterer Anhaltspunkt sind die auch dort verlorenen Prozentpunkte immerhin. Wer in zurückliegender Zeit im Freistaat die Stimmung erkundete, der hat als Ergebnis nämlich genau das mitgebracht: Die vermeintliche Staatspartei macht bei den Leuten keinen Staat mehr. Zuweilen ja nicht einmal mehr bei den eigenen.

Wie da geschimpft wird! Nur nicht in Nürnberg, wo Günther Beckstein herstammt, oder im engeren Kreis in Niederbayern, der Heimat Erwin Hubers. Die beiden sind halt keine stolzen Recken wie einst Edmund Stoiber, obwohl der zuletzt vielen arg auf die Nerven fiel. Aber das war nicht, weil er es nicht gekonnt hätte, was er jahrelang gemacht hat, den Ministerpräsidenten und CSU-Chef. Es war vor allem die Besserwisserei, dazu der Mangel an Liebenswürdigkeit, auch an bajuwarischer Schlitzohrigkeit, in der sich die Wähler hätten wiedererkennen könnten. Oder so gesagt: Das freisinnige Völkchen fand, es sei zu viel Laptop und Akten und zu wenig Lederhose.

Nun ist das heutzutage bei der CSU-Spitze mit der Lederhose ohnehin so eine Sache. Huber, wiewohl einer, der genau weiß, wie die kleinen Leute denken, steht derweil selbst im Bierzelt im Anzug mit Einstecktuch. Und Beckstein hat kürzlich überhaupt das erste Mal in einer Art fränkischer Tracht repräsentiert. Bloß liegt es nicht zuerst an Äußerlichkeiten, dass sich die CSU in einer Krise befindet, jedenfalls der Wahrnehmung.

Die Wiederentdeckung des Sozialen, lange schon ein Thema, ist von der CSU doch recht spät gebührend herausgestellt worden. Man verband die CSU schon länger nicht mehr damit, wenn auch in Teilen zu Unrecht. Dass der Begriff der „solidarischen Leistungsgesellschaft“ von ihr, genauer: von Alois Glück, stammt und durchaus praktische Auswirkungen hat, wer weiß das schon.

Es ist das Programm, es sind die Fehler in der Regierung, Stichwort Landesbank, Stichwort Transrapid, und es ist der Mangel an Respekt, der CSU-Positionen im Bund gezollt wird. Auch von der CDU, nicht zuletzt von Angela Merkel, der Kanzlerin. Ob Wiedereinführung der Pendlerpauschale oder weniger Steuern für untere und mittlere Einkommen, es ist nicht ersichtlich, dass Merkel davon sonderlich beeindruckt wäre. Das war früher anders. Heute fürchtet Merkel nur, dass die CSU mit Huber und Beckstein nicht genügend Stimmen für ihre Wiederwahl bringt. Also: Alles unter 50 Prozent in Bayern würde die beiden wirklich unmöglich machen.

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