Meinung : Rabattgesetz: Das ganze Jahr über Rummel

Maren Peters

Was soll so bedrohlich daran sein, beim Kauf eines Kaffeeservice oder eines Wollmantels eine Reise nach Florida geschenkt zu bekommen? Aus Verbrauchersicht sicherlich nichts. Ganz im Gegenteil: Für Schnäppchenjäger brechen herrliche Zeiten an, wenn die fast 70 Jahre alten Reliquien Rabattgesetz und Zugabeverordnung ersatzlos verschwinden. Statt zwei Mal im Jahr auf den "Schlussverkauf" zu warten, können sie ihre Arme künftig das ganze Jahr über tief in Wühltische hineingraben, können jetzt auch ganz offiziell um den Preis für den Neuwagen schachern und dabei mit etwas Glück noch einen Ersatzreifen als kostenlose Dreingabe herausschlagen - das ganze Jahr über Rummel.

Doch nicht alle Händler gönnen den Verbrauchern diese Freude. Vor allem die Mittelständler sehen ihre Felle davonschwimmen, wenn diese Gesetze kippen - und schieben den Verbraucher vor. Zu dessen Schutz müssten "Preiswahrheit und Preisklarheit" sichergestellt sein - so begründet der Mittelstand seine Forderung, Teile der Zugabeverordnung zu retten. Was immer das heißen mag, sicher ist: Auf der Suche nach der billigsten Butter und dem preiswertesten Polohemd haben Verbraucherinstinkte bislang einwandfrei funktioniert. Auch die Befürchtung, gerissene Verkäufer könnten künftig überhöhte "Mondpreise" festsetzen, um Verbraucher durch entsprechend hohe Rabatte in die Kaufhallen zu locken, dürfte am ausgeprägten Preisbewusstsein des Verbrauchers abprallen. Gar so unbedarft, wie da unterstellt wird, ist der Verbraucher nicht.

Die mittelständischen Einzelhändler drückt vielmehr eine andere Sorge: Bislang konnten sie davon profitieren, dass bei ihnen das Feilschen, unabhängig von gesetzlichen Regeln, viel eher möglich war als bei großen Fachhändlern oder im Kaufhaus. Dieser Wettbewerbsvorteil fällt jetzt weg. Profitieren werden von der neuen Bewegungsfreiheit zweifellos die großen Einzelhändler wie die Metro, Karstadt oder Kaufhof, die ihren Käufern schon jetzt über Kundenkarten einen dreiprozentigen Preisnachlass gewähren und angekündigt haben, in Zukunft noch einiges draufzulegen. Sollten sie das von einem bestimmten Mindesteinkauf abhängig machen, haben sie - dank ihres riesigen Angebotes - im Vergleich zum Mittelständler einen klaren Wettbewerbsvorteil bei der Kundenbindung. Profitieren werden aber auch die Internet-Händler, die den Rutsch der fast 70 Jahre alten Wettbewerbsregeln erst ausgelöst hatten. Ihnen drohten wegen des in Europa einmaligen Uralt-Rechts Nachteile.

Das Ende des Mittelstandes ist damit noch lange nicht gekommen. Aber so viel steht fest: Die kleinen Händler werden noch härter um ihre Existenz kämpfen müssen als bisher. Eine Chance haben sie nur, wenn sie noch kreativer werden und noch sehr viel stärker auf Service setzen als bisher. Das gilt auch für die Ladenöffnungszeiten. Davon ist bislang allerdings noch nicht allzu viel zu spüren.

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