Meinung : Radar-Opfer der Bundeswehr: Verstrahltes Vertrauen

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Wissenschaftlich ist nichts bis zur letzten Gewissheit bewiesen, aber der Verdacht liegt angesichts der auffällig hohen Zahl von Krebsfällen nah: Seit den späten 50er Jahren und bis in die 80er wurden Radartechniker der Bundeswehr durch Röntgenstrahlung schwer krank. Diese Strahlen können Zellen verbrennen oder bösartig mutieren lassen. Selbst der Bundeswehrverband geht von 1000 Opfern aus. Dass die wissenschaftliche Erkenntnis über die Folgen der Strahlung damals nicht so weit war wie heute, daraus ist niemandem ein Strick zu drehen. Aber dass die Betroffenen heute, mehr als 30 Jahre später, noch immer in langwierigen und kostspieligen Prozessen um zusätzliche Monatsrenten in der bescheidenen Höhe von durchschnittlich 400 Mark stecken - das ist für die Kranken unzumutbar. Verteidigungsminister Scharping wollte dem Rat seiner Kommission folgen und die Opfer "großherzig und streitfrei" entschädigen. Doch mit dieser Ankündigung ist es nicht getan. Denn noch immer müssen die Opfer nachweisen, was sie nicht können: ihre individuelle Strahlendosis. Die wurde damals nicht gemessen. Stattdessen setzten sich Vorgesetzte in Zeiten des Kalten Krieges nach der Strategie "Wirkung geht vor Deckung" nicht selten über die wenigen, nach heutigem Wissen unzureichenden Schutzmaßnahmen hinweg. Ist das nicht Vorsatz? Die Anwälte der Opfer rüsten sich für Klagen auf Schadensersatz und Schmerzensgeld - weil Scharping auf ihre Schlichtungsangebote nicht reagiert. Das kann für ihn teuer werden. Gar nicht wieder gut zu machen ist schon heute sein Vertrauensverlust in der Truppe.

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