Radsport : Die Kette ist ab

Die WM in Stuttgart sollte ein Neubeginn sein – doch dem Radsport ist nicht zu helfen.

Mathias Klappenbach

Im Radsport sind Ausreißversuche meist vergebens, die mutigen Fahrer werden kurz vor dem Ziel doch gestellt. Stuttgart ist gar nicht erst so weit gekommen. Obwohl es sich Hoffnungen gemacht hatte, es weit zu bringen und eine Radsport- Weltmeisterschaft auszurichten, die so etwas wie einen Neuanfang in dem Dopingsport darstellt.

Die Freude darüber, Gastgeber dieses Großereignisses zu sein, ist spätestens mit dem Skandal bei der Tour de France 2006 der Angst vor einem großen Imageschaden gewichen. So wurde mit allen Mitteln, die einem Veranstalter zur Verfügung stehen, versucht, den möglichen Schaden von vornherein zu begrenzen, wenn die Welt des Radsports zu Gast bei Fremden ist. Die Stuttgarter wussten um die großen Probleme, die der Gast mitbringt, deshalb haben sie sich vertraglich abgesichert und dem Radsportweltverband UCI in harten Verhandlungen abgerungen, dass keine mit Doping in Verbindung stehenden Fahrer an den Start gehen dürfen. Und sie haben gehofft, ein paar Tage lang von Meldungen über die Streitigkeiten verschont zu bleiben, die zwischen Verbänden, Teams und Fahrern in der Krise immer offener zutage treten. Es blieb ihnen ja auch nichts anderes übrig.

Die Stuttgarter haben diese Gefahren nicht unterschätzt, sie hatten keine Chance. Keine Chance gegen die jahrzehntealte Tradition im Radsport, immer mit allem irgendwie durchgekommen zu sein. Und geschickt zu beschwichtigen, wenn der ach so schöne eigene Sport beschädigt zu werden droht.

Pat McQuaid, der undurchschaubare UCI-Präsident, beschwerte sich am Mittwoch über die heftigen Diskussionen in Deutschland und über die Stuttgarter Organisationschefin Susanne Eisenmann, die ebenfalls gestern eine Klage gegen den WM-Start der Fahrer Paolo Bettini und Danilo Di Luca einreichte. Dem Präsidenten geht das alles zu weit. Man solle doch versuchen, dem Sport zu helfen, anstatt so kritisch und hart zu sein.

Schriftlich abgemacht mit Stuttgart war vorher, dass Fahrer wie der amtierende Weltmeister Bettini ausgeschlossen werden, wenn sie die Ehrenerklärung gegen Doping nicht unterschreiben. Bettini wurde gestern zudem vom BKA befragt, dafür droht er dem ihn belastenden Patrik Sinkewitz mit einer Schadenersatzklage. McQuaid gab Bettini eine Startgarantie.

Stuttgart hat tapfer dagegen gekämpft, aber gestern wurde der Ausreißer wieder vom großen Feld eingeholt. Der Veranstalter forderte plötzlich, dem Vizepräsidenten des deutschen Radverbandes, Udo Sprenger, die Akkreditierung zu entziehen. Der wird von einem ehemaligen Teammitglied belastet, früher als Mannschaftsleiter eine schwarze Dopingkasse geführt zu haben.

Diese Vorwürfe gegen einen der Stellvertreter des Verbandspräsidenten Rudolf Scharping sind allerdings drei Monate alt. Dass Stuttgart jetzt erst reagiert, zeigt zweierlei: Zum einen, dass nun auch beim Veranstalter die Nerven blank liegen und er verzweifelt versucht, sich zu positionieren. Zum anderen, dass es aussichtslos ist, gegen alle Probleme im Radsport gleichzeitig etwas zu unternehmen.

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