Rainer Brüderle : "Wir werden als Team die Lage meistern"

Am Anfang galt er als Fehlbesetzung, doch je mehr der Rückhalt für Guido Westerwelle schwindet, umso heller strahlt sein Stern. Ein Porträt des Bundeswirtschaftsministers Rainer Brüderle.

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Zu Anfang seiner Amtszeit galt Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) mit seinem volkstümlichen, manchmal tapsigen Auftreten vielen als Fehlbesetzung. Die Opposition verspottete den Rheinland-Pfälzer als Problembären. Doch seit Monaten ist ein interessantes Phänomen zu beobachten: Je mehr der Rückhalt für Guido Westerwelle schwindet, umso heller strahlt der Stern seines geselligen Parteifreundes. Auch die Führungskräfte der Wirtschaft, das ergab kürzlich eine Umfrage, halten inzwischen große Stücke auf ihn. Und in der FDP wird neben Generalsekretär Christian Lindner kein anderer Name häufiger genannt, wenn es um die Nachfolge des Parteichefs geht.

Brüderles Neigung zum Sprücheklopfen („Wer nichts trinkt, ist verdächtig“) verführt dazu, ihn zu unterschätzen. Dabei beherrscht er das Spiel der Macht seit Jahrzehnten. Seit 1983 führt er seinen Landesverband, vor 23 Jahren wurde er zum ersten Mal als Landesminister vereidigt. Der Vizebundeschef der FDP kann als einer der wenigen Bundesminister seiner Partei Erfolge aufweisen: Im Konflikt um Staatsbürgschaften für Opel setzte er sich sogar gegen die Kanzlerin durch.

In Konfliktsituationen agiert der studierte Volkswirt geschmeidiger als sein Vizekanzler. Das lässt dem Gegner die Möglichkeit, in der Niederlage sein Gesicht zu wahren. Auch stand Brüderle nie für Westerwelles Kurs der rigiden Abgrenzung gegenüber einem linken Lager. Der Pfälzer hat in seinem Heimatland lange mit der SPD koaliert und hält weiter engen Kontakt zu Ministerpräsident Kurt Beck.

Wichtige Akteure in der FDP sind sich nun sicher, dass Brüderle gerne nach der Macht greifen würde – wenn er denn gerufen wird. Allerdings verbindet sich mit ihm auch kein Aufbruchsignal. Der 65-Jährige gilt als Vertreter der soliden, bürgerlich gestimmten FDP der Vor-Westerwelle-Ära. Nur in einer Machtteilung mit den jungen Liberalen der Generation Lindner hätte er überhaupt eine Chance.

Unklar ist auch, ob Brüderle sich nicht schon zu weit vorgewagt und damit als Königsmörder gleichsam verbrannt hat. Sehr aufmerksam wurde in der Parteizentrale jedenfalls registriert, dass er den Spitzenkandidaten seines Landesverbandes nicht zur Ordnung rief, der Westerwelle als „Klotz am Bein“ der FDP-Wahlkämpfer beschimpfte. Seine Solidaritätserklärung für den Parteichef („Wir werden als Team die Lage meistern“) nahmen deshalb nur wenige Liberale ernst.

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