Rauchverbot : Folterknechte

Die Bayern rühmen sich. Urplötzlich haben sie das radikalste aller Rauchverbote. Zwar hatte der jüngst in den Ruhestand getretene Edmund Stoiber die bayerischen Ausnahmeregelungen für Bierzelte mit der nahezu sprichwörtlichen „bayerischen Liberalität“ und einer „spezifischen, traditionellen Kultur“ begründet – aber das ist jetzt genauso Geschichte wie der frühere Amtsinhaber selbst. Denn der Versuch eines CSU-Politikers, Bayern noch liberaler als sowieso schon zu machen, endete in einer Katastrophe. Die CSU-Fraktion debattierte und entdeckte, völlig überrascht von sich selbst, dass nicht weitere Ausnahmen, sondern schärfere Regeln der richtige Weg seien. Jetzt soll das neue Gesetzesvorhaben im Schnellverfahren durch die parlamentarischen Gremien getrieben werden. Härte duldet eben keinen Aufschub. Dabei hätte ein Blick nach Berlin dem Stoiber’schen Erbe vielleicht doch zu einer Halbwertszeit von mehr als einigen Tagen verholfen. Da ist zwar das Rauchen auch bald vielerorts verboten. Aber Verdächtigen, Kriminellen, Schwerstverbrechern wird die Zigarette bei polizeilichen Vernehmungen weiterhin gestattet. Hintergrund: Die Verhörten sollen durch Nikotinentzug nicht unter Druck gesetzt werden. Oder einfacher: Rauchverbot kann wie Folter empfunden werden. Und die ist nun wirklich verboten. Schon lange. Und absolut. Auch in Bayern. Was nun? Folter ist ein Zivilisationsbruch. Die deutsche Gesellschaft sollte das nicht hinnehmen. lha

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben