Meinung : Raumfahrt: Leitartikel: Bemannte Raumstation

Thomas de Padova

Die Begeisterung war groß, als Neil Armstrong 1969 als erster Mensch seinen Fuß auf den Mond setzte. Umso überraschender mag für manch einen die Einsicht sein, dass wir heute keine Astronauten mehr zum Mond schicken können. Es gibt keine Raketen mehr, mit denen dies möglich wäre. Die gesamte Raketentechnologie, die die Amerikaner unter größten finanziellen Anstrengungen aufgebaut hatten, wurde später verschrottet. Denn die Starts solcher Großraketen, wie sie damals samt Besatzung und aufwendigen Lebenserhaltungssystemen zum Mond abhoben, waren auf Dauer unbezahlbar.

Heute haben die USA und mit ihnen 15 weitere Raumfahrtnationen wieder einen Anlass zu feiern. Am Dienstagmorgen ist die erste Crew zur Internationalen Raumstation aufgebrochen. In den kommenden Monate werden die beiden russischen Kosmonauten und ihr amerikanischer Kapitän in zusammengesteckten Containern um die Erde kreisen und sich, so gut es geht, auf der Baustelle einrichten. Und schon bald nach ihrer Ankunft werden die Fernsehzuschauer mit ihnen von kosmischer Warte aus auf die geschrumpfte, blaue Erde herabschauen können. Ein weiter Blick für die Menschheit, aber auch ein guter Ausblick in die Zukunft der Raumfahrt?

Wieder einmal haben sich die USA zu einem ungeheuren finanziellen Kraftakt entschieden. Mit Baukosten von mehr als 150 Milliarden Mark finanzieren sie den Löwenanteil des Weltraumprojektes. Allerdings diesmal - und das ist das Positive - nicht im Wettlauf, sondern in Gemeinschaft mit anderen Staaten.

Russland bringt vor allem seine unverzichtbare Erfahrung ein. Bislang war die russische Raumstation "Mir" der einzig dauerhaft bewohnbare Außenposten im All. Die beiden russischen Kosmonauten der heute gestarteten Besatzung können daher zusammengerechnet bereits auf mehr als 660 Tage Weltraumeinsatz zurückblicken. Ihr amerikanischer Kapitän hat bis dato gerade einmal zwölf Tage im All verbracht.

Aber auch dieser vermeintlich geringe Erfahrungschatz kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Amerikaner ihre Apollo-Euphorie bis heute behalten haben. Nach dem Mond-Programm bauten sie den Space-Shuttle. Wohl wissend, dass fast alle Flüge dieser Raumfähre mit einem unbemannten Frachtflugzeug preiswerter und mit geringerem Risiko zu machen gewesen wären. Doch es gibt keinen unbemannten Shuttle - weil man, unsinnigerweise, so oft es geht, Menschen ins All schicken will. Auch bei der Internationalen Raumstation geht es um die Vision der Eroberung des Weltraums durch den Menschen. Nicht um handfeste Forschungsziele. Die geplanten Experimente wären mit dafür spezialisierten, weniger flatterhaften Satelliten besser zu machen.

Eine Besiedlung des Kosmos aber liegt aus technologischer Sicht immer noch in weiter Ferne. Die nun eingesetzten Transport- und Antriebstechniken jedenfalls erscheinen für eine weitere Erkundung des Alls ungeeignet. Das Geld, das auch deutsche Steuerzahler für den riskanten Höhenflug aufbringen, verspricht zu wenig Zinsen.

Die Raumstation kann nur einmal mehr zeigen, dass der Mensch unter größten Anstrengungen in naher Erdumlaufbahn überleben kann. Der US-Physiker Freeman Dyson wünscht sich wie viele Kollegen nachhaltigere Raumfahrtprojekte und bemerkt: Nachdem Kolumbus Amerika erreicht hatte, dauerte es 128 Jahre, bis die Pilgerväter Massachusetts besiedelten. Ähnlich müssten wir mit der Besiedelung des Alls durch den Menschen noch bis 2085 warten - 128 Jahre nach dem Start des ersten Sputnik.

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