Meinung : Raus aus dem Dollar

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Wenigstens vom Devisenmarkt scheint frohe Kunde für den Kanzler zu kommen. Seit Wochen bewegt sich der Euro unaufhaltsam nach oben. Europas Gemeinschaftswährung schickt sich an, dem „Greenback“ Paroli zu bieten. Haben die Europäer, haben die Deutschen ihre Probleme endlich im Griff? Ist die lästige Schlusslicht-Debatte damit vom Tisch? Der Euro steigt, obwohl vieles nach wie vor eher für Anlagen im Dollarraum spricht: Das stärkere Wirtschaftswachstum in den Staaten beispielsweise oder die erstmals wieder niedrigere Inflation. Und Europa? Mit den Reformbemühungen ist man nicht viel weiter gekommen. Der aktuelle Streit um den Stabilitätspakt zeigt, wie schwierig sich die Verständigung der Finanzpolitik in der Praxis gestaltet. Vertrauensbildende Maßnahmen, die Investoren überzeugen können, sehen anders aus. Der Euro ist nur so stark, weil der Dollar so schwach ist. Der Niedergang der New Economy, die flaue Börse, der Enron-Skandal und die Furcht vor immer neuen Bilanztricksereien haben die Geldgeber zutiefst verunsichert. Und die Anleger befürchten: Die USA leben zunehmend von der Hand in den Mund. Auch der nächste Aufschwung ist also wieder nur ein Aufschwung auf Pump. Hinzu kommt, dass die Bush-Administration sich von einer Politik des starken Dollars verabschiedet hat. Darum sucht das Kapital nach Alternativen. Kein Grund für den Kanzler, darauf stolz zu sein. mo

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