Meinung : Raus aus dem Sandkasten

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Er könne nur kurze Sätze, sagt er gern. Eine Fußnote zur Programmdebatte der SPD beginnt mit einem langen Satz des Franz Müntefering. Ende 2004 bemühte er das Wort der „verantwortungslosen Heuschreckenschwärme“, um Finanzinvestoren zu verunglimpfen. Die „Kapitalismuskritik“ der SPD war geboren und fand doch erst im Wahlkampf in Nordrhein-Westfalen Anhänger. Geholfen hat es nichts: Die SPD verlor an Rhein und Ruhr und dann auch im Bund, Müntefering trat als Parteichef ab. Dass die heutige Bundesregierung ohne das kleinste Widerwort vom Vizekanzler Telekom-Aktien für 2,7 Milliarden Euro an eine amerikanische Riesenheuschrecke verkauft, kann man als Pointe verstehen. Oder als gute Nachricht. Denn die gebeutelten Besitzer der einstigen Volksaktien wird es freuen, dass Blackstone auf höhere Kurse setzt. Und mit einem Anteil von 4,5 Prozent lassen sich im Aufsichtsrat keine überzogenen Renditen durchpeitschen. Mitarbeitern und Verbrauchern droht also keine Gefahr. Was aber Grundsatzdebatten auch über den Kapitalismus wert sind, hat Müntefering gerade erst gesagt – kurz: „Politik findet nicht im Sandkasten statt.“ Also weg mit den Förmchen? mod

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