Meinung : Raus aus der Nische

Von Maren Peters

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Wenn der Aspirin-Hersteller Bayer seine Pläne verwirklicht und Schering übernimmt, dann wird es für den Berliner Pharmakonzern heute die allerletzte Hauptversammlung seiner Geschichte sein. Für Schering ist es das Ende einer langen Tradition: 154 Jahre nach seiner Gründung wird die von Ernst Schering gegründete „Grüne Apotheke“ ihre Unabhängigkeit verlieren und mit dem Konkurrenten aus Leverkusen verschmelzen. So traurig das auf den ersten Blick erscheinen mag: Ein Desaster muss das weder für Schering noch für Berlin sein.

Schering hat bisher überwiegend erfolgreich gearbeitet. Im vergangenen Jahr gelang dem Produzenten von Antibaby-Pillen, Multiple-Sklerose-Mitteln und Röntgenkontrastmitteln ein erneutes Rekordjahr, und auch für die kommenden Jahre hat das Unternehmen strammes Wachstum angekündigt. Schering hätte zweifellos auch in Zukunft allein weitermachen können – als zwar kleiner, aber gut aufgestellter Nischenanbieter. Doch damit war es schlagartig vorbei, als der Darmstädter Merck-Konzern Schering Mitte März mit einem Übernahmeangebot überrumpelte. Für Schering, das war schnell klar, gab es seitdem nur noch zwei Optionen: entweder mit Merck oder mit einem anderen Unternehmen weitermachen, das Schering vor Merck bewahren sollte. Schering wählte die zweite Option – und die hieß Bayer. Damit hat das Berliner Unternehmen, das seine Unabhängigkeit verloren hat, nicht nur seinen Mitarbeitern, sondern auch Berlin einen großen Gefallen getan. Dass sich das Management vorab geschlagen gibt und sehr schnell Zustimmung zu dem Bayer-Angebot signalisiert hat, erleichtert es allen Beteiligten. Schering hat – in der Not – die beste aller Möglichkeiten gewählt. Zwar will auch Bayer tausende Arbeitsplätze abbauen – wie das zuvor auch Merck angekündigt hatte. Bayer hat Schering aber versprochen, Berlin als starken Pharmastandort beizubehalten. Das lässt hoffen – für die Mitarbeiter und für den Standort Berlin, der zwar seine einzige Dax-Notierung verliert, aber auf einen wichtigen Ideengeber der Wissenschaftslandschaft auch künftig nicht verzichten muss.

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