Ray Odierno : „Den Aufstand in die Knie gezwungen“

Die Vita General Ray Odiernos, der heute den Oberbefehl im Irak übernimmt, spiegelt die Wendungen der US-Politik in den fünf Kriegsjahren.

Christoph von Marschall

Biografien erfolgreicher Militärs lesen sich meist als Abfolge ihrer Triumphe. Im wahren Leben wachsen gute Kommandeure oft eher an ihren Irrtümern als an ihren Erfolgen. Die Vita General Ray Odiernos, der heute den Oberbefehl im Irak übernimmt, spiegelt die Wendungen der US-Politik in den fünf Kriegsjahren. Vorgänger David Petraeus übergibt ein Land auf dem Weg in Richtung Stabilisierung. Zu der Strategie, die den Erfolg ermöglichte, musste sich Odierno erst bekehren lassen.

Bei der Invasion 2003 führte er eine schwere Kampfdivision und war im „sunnitischen Dreieck“ nördlich von Bagdad bald als harter Hund bekannt. Seine Einheit nahm im Dezember 2003 Saddam Hussein gefangen. Odierno verkündete, man habe den Widerstand in die Knie gezwungen. Das war voreilig. Die Gegend wurde zu einem Zentrum des Aufstands. Kritiker sagen, Odiernos eiserne Faust gegenüber Irakern habe dazu beigetragen. 2004 wurde sein Sohn Tony in den Irak verlegt; bei einem Anschlag verlor er einen Arm.

Bei Odiernos zweitem Irakeinsatz von 2006 an lautete die Vorgabe, „die Köpfe und Herzen der Iraker (zu) gewinnen“. Gemeinsam mit der irakischen Armee richtete er Posten in den einzelnen Vierteln Bagdads ein. Die Hauptstadt litt damals unter den Mordmilizen verfeindeter Religionsgruppen. 2007 befürworteten der neue Irakoberbefehlshaber Petraeus und Odierno den „Surge“, die in den USA unpopuläre Truppenverstärkung um 30 000 Mann. Die Gewalt ging zurück, der Irak hat die Verantwortung für elf der 18 Provinzen übernommen.

Als Thema im US-Wahlkampf hat der Irak an Bedeutung verloren. Die Lager streiten aber über die Gründe des Erfolgs. Republikaner stellen den „Surge“ in den Vordergrund. Demokraten sagen, ausschlaggebend sei das „Anbar Awakening“ gewesen: die Entscheidung sunnitischer Stammesführer, den Widerstand zu beenden, Al Qaida zu bekämpfen und ihre Interessen politisch zu vertreten.

Odierno soll die Stabilisierung dauerhaft machen und den Rückzug der US-Truppen einleiten, ohne Abstriche an der Sicherheit zu riskieren. 8000 Mann will Präsident Bush vor seinem Amtsende im Januar 2009 nach Afghanistan verlegen; 140 000 GIs sind dann noch im Irak, mehr als vor dem „Surge“. Odierno wird sie noch eine Weile brauchen. Am Wochenende wurden ein sunnitischer Imam, acht kurdische Soldaten und mehrere Journalisten ermordet.Christoph von Marschall

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