RBB : Aufgeklärt

Ganz klar: So eine Adelshochzeit gehört zu den Mythen des Alltags in der spätkapitalistischen Gesellschaft. Das zeigt sich immer, wenn Königs- oder Fürstenkinder sich trauen lassen, wie nun Georg Friedrich von Preußen und Sophie von Isenburg. Leute, bei denen man kein Interesse an kleinmädchenhaften Träumereien vermutet hätte, erweisen sich als genau informiert über Couturiers, Friseure und Örtlichkeiten. Dieses Interesse bricht sich Bahn in bemerkenswerten Fernsehquoten. Ein Massenmedium wie die Glotze ist nicht falsch beraten, wenn es bei einer Adelshochzeit Aufwand treibt. Und wenn so eine Hochzeit ausgerechnet in Preußen, heute Brandenburg, stattfindet, tut der preußische Landessender RBB gut daran, richtig lange draufzuhalten. Es soll außer einer Moderatorin sogar ein veritabler „Adelsexperte“ vor Ort sein. So wird der Sender nicht allein das Unterhaltungsbedürfnis des Publikums befriedigen, sondern auch seinen Bildungsauftrag erfüllen. Vielleicht kommen ein paar Fernsehzuschauer in Anbetracht des Brimboriums und der Kosten einer solchen Hochzeit selbst zu der These, dass die Abschaffung des Kaisertums 1918 eine sinnvolle Sache war. wvb.

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