Rebekah Brooks: : „Wir bedauern diese schwache und ungerechtfertigte Entscheidung“

Sie war der Liebling von Medienmogul Rupert Murdoch und eine gute Freundin von Premier David Cameron. Nun ist Rebekah Brooks eine Angeklagte. Ein Porträt.

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Foto: dapd
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Wie es sich für eine der erfolgreichsten britischen Journalistinnen gehört, nahm Rebekah Brooks die Verbreitung der Nachricht selbst in die Hand: Eine Viertelstunde vor der Bekanntgabe durch die Kronanwaltschaft bestätigte die einst mächtigste Frau in Rupert Murdochs britischem Medienreich, dass sie und ihr Ehemann Charlie wegen Justizbehinderung angeklagt werden. „Wir bedauern diese schwache und ungerechtfertigte Entscheidung“, ließ das Paar wissen.

Die offizielle Anklage wurde auf der Polizeiwache Lewisham überreicht: Im Juli 2011, als sich die Hacker-Affäre bei der Zeitung „News of the World“ nicht mehr unter den Teppich kehren ließ und Murdoch und seine Verlagschefin Brooks die Sonntagszeitung einfach zumachten, sollen sie und ihre Mitangeklagten – die Sekretärin, der Chauffeur, zwei Sicherheitsbeauftragte und Ehemann Charlie – unter anderem sieben Kartons mit Archivmaterial zum Verschwinden gebracht haben.

Fast 50 Personen wurden verhaftet, Millionen Pfund für die Kosten von Zivilprozessen und für Schmerzensgelder ausgegeben, aber ausgerechnet Brooks, Murdochs liebste Journalistin und Spitzenmanagerin, die er bis zuletzt beschützen wollte und als „Priorität“ noch vor seinen Zeitungen bezeichnete, muss nun als Erste vors Kriminalgericht. Und es geht nicht um ein Kavaliersdelikt. Die Gefängnisstrafen wegen Justizbehinderung sind weit höher als die wegen des Abhörens von Telefonen oder der Bestechung von Polizisten, die auf Brooks noch zukommen könnten.

Über 20 Jahre lang arbeitete die 44-Jährige für Murdoch. Sie war die erste Chefredakteurin der „News of the World“, jüngste Chefin der „Sun“. Nicht nur mit David Cameron, auch mit Tony Blair hatte sie ein enges Verhältnis, auch Premier Gordon Brown und seine Frau waren beste Freunde.

Ob sie David Cameron noch eine SMS schickte, bevor sie auf die Polizeiwache ging? SMS, die sich Cameron und Brooks gerne zuschickten, wurden vergangene Woche in der Leveson-Untersuchungskommission aktenkundig. Cameron pflegte mit „LOL DC“ für „Lots of Love“ („Alles Liebe“) zu unterzeichnen, „bis ich ihm sagte, dass es ,Laughing out loud’ (,Laut gelacht’) bedeutet“, so Brooks. Mit weiteren Anekdoten aus der Clique um Brooks, die Camerons und ihre einflussreichen Freunde ist zu rechnen, wenn der Prozess beginnt. Dem Premier, so viel ist sicher, wird das Lachen vergangen sein. Matthias Thibaut

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