Rechte Gewalt : Vom Mob zum Mord

Der Mordversuch am Passauer Polizeichef hat das Quantum rechter Gewalt, an das wir uns traurigerweise gewöhnt zu haben scheinen, tatsächlich in "eine neue Dimension“ gehoben. Es sind nicht mehr allein Namenlose, die angegriffen werden.

Andrea Dernbach

Die Formel, die Bayerns Innenminister Hermann bemüht hat, ist reichlich abgewetzt, aber sie stimmt. Der Mordversuch am Passauer Polizeichef hat das Quantum rechter Gewalt, an das wir uns traurigerweise gewöhnt zu haben scheinen, tatsächlich in „eine neue Dimension“ gehoben. Es sind nicht mehr allein Namenlose, die zum Ziel von Demütigungen, Terror, Verstümmelungen, Mord werden, die Leute mit der falschen Haar- oder Hautfarbe, die Linken, die Berber, die eine Horde Glatzen zu Tode tritt.

Hier hat ein hoher Polizeibeamter den Extremisten den Kampf angesagt, weil er nicht zusehen wollte, wie sie seine Stadt – in Passau verdoppelte sich die Zahl rechtsextremer Straftaten in nur einem Jahr – zu ihrem Stützpunkt ausbauten. Sie haben ihm dafür den Krieg erklärt. Man muss das nicht als Anfang einer Neuauflage jenes Terrors gegen Symbolfiguren sehen, der Teil der Angst- und Hasskampagne in den Jahren des Aufstiegs der Nazis waren.

Man kann aber ein beunruhigendes Zeichen dafür erkennen, was sich die rechte Szene inzwischen trauen zu können glaubt. Wenn dies trotz oder gerade in einer Stadt geschieht, deren Polizei sich, womöglich entschlossener als anderswo, gegen sie stemmt, wird klar, dass polizeiliche Mittel gegen die neualten Nazis nur das letzte Mittel sind. Wir brauchen eine Alltagskultur, die gegen sie steht.

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