Meinung : Rechtsextremismus: Mediale Symbol-Bildung

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Wenn wir so etwas wie den kleinsten gemeinsamen Nenner all der Fernseh- und Zeitungsberichte über rechte Gewalt beschreiben, sieht der ungefähr so aus: aggressiv-gelangweilte Jungmänner mit Glatzen vor der Kulisse einer trostlosen östlichen Kleinstadt. Diese Symbol-Bildung ist ein wohl unvermeidlicher medialer Nebeneffekt - und er ist umso stärker, je mehr die Berichte aufs Spektakel bedacht sind. Dieses Bild ist freilich, mindestens, halb falsch. Gewiss ist die Jugendkultur vor allem im Osten rechts, gewiss ist der Widerstand der zivilen Gesellschaft dort oft schwach, gewiss befinden sich die no-go-areas für Nicht-Deutsche vor allem im Osten. Doch der common sense, dass rechte Gewalt ein Ostphänomen ist, kam schon immer einem Entlastungsbedürfnis im Westen entgegen: So konnte rechte Gewalt als Nachwendeerscheinung verbucht werden, als Beweis ostdeutschen Demokratiemangels, als etwas, mit dem wir Westler nichts zu schaffen haben. Das war glatt geschwindelt: Schon in den frühen 80ern gab es tödliche rechte Anschläge. Im Westen. In NRW sind die rechten Straftaten in diesem Jahr nun um 60 Prozent gestiegen. Jetzt sind sie wieder so hoch wie in den frühen 90ern. Schlimme Zahlen. Im besseren Fall helfen sie, die Delegation des Problems nach Osten rückgängig zu machen.

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