Rede des Bundespräsidenten : Für das Gehaspel – Geld zurück

Zu unseren Grundwerten gehört ein Präsident, welcher der Redekunst zumindest in Ansätzen mächtig ist. Harald Martenstein ist fassungslos über die Rede des Bundespräsidenten zum Jahrestag der Wiedervereinigung.

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Ich bin ein Kolumnist aller Menschen, die in Deutschland leben – ich bin auch der Kolumnist der Muslime. Der neue Bundespräsident hat zum Jahrestag der Wiedervereinigung eine Rede gehalten. Ein Bundespräsident muss Reden halten, so, wie ein Bäcker halt backen muss und ein Sänger halt singt. Der Präsident hat, wie ich feststellen musste, seine Rede unglaublich schnell vorgelesen und nahezu ohne Betonung. Ich will keinerlei politische Vergleiche anstellen, aber als Redner, nur mal rein als Redner betrachtet, Sprechtempo, Betonung und so weiter, war Erich Honecker besser. Und der war auch schon nicht gut.

Ich war fassungslos, echt. Haben die heutigen Bundespräsidenten denn keinen Respekt vor der Würde ihres Amtes? Betonen und Pausen setzen und all dieses Zeug kann man lernen, das kann man üben. Das ist nicht so wahnsinnig schwierig. Jeder Schauspieler kann es, und das sind auch nicht alles Genies. Der Präsident muss sich seine Reden ja nicht einmal selbst schreiben, seine Ghostwriter und seine Berater helfen ihm, vermutlich auch die Kanzlerin. Er muss diesen Kram, was immer es ist, nur halbwegs ordentlich vorlesen – und, haltet euch fest, das kann er nicht! Jeder Sänger, der auftritt, übt doch vorher ein bisschen das Singen. Alles andere wäre doch respektlos dem Publikum und der Würde des Singens gegenüber. Wer in unserem Land eine Bäckerei eröffnet, muss backen können. Nur der Präsident kann das, was er für seinen Job können muss, überhaupt nicht. Ich bin Staatsbürger! Und Steuerzahler! Ich finanziere diesen Mann. Ich verlange, dass er sich Mühe gibt. Für dieses betonungslose Gehaspel verlange ich mein Geld zurück. Toleranz ist keine Einbahnstraße.

Es ist Konsens, dass man Deutsch lernen muss, wenn man hier lebt. Da gehört aber auch die Betonung dazu! Man muss bereit sein, die Grundwerte der deutschen Gesellschaft zu akzeptieren. Zu unseren Grundwerten gehört ein Präsident, welcher der Redekunst zumindest in Ansätzen mächtig ist. Unser Sozialstaat ist nämlich kein Selbstbedienungsladen ohne Gegenleistungsverpflichtung. Wenn Menschen staatlich alimentiert werden, zum Beispiel der Präsident, dann darf die Gesellschaft auch von ihnen eine Gegenleistung erwarten, eine eigene Anstrengung. Dieser Präsident darf nicht in Bildungs- und Leistungsverweigerung verharren. Unsere Kommunen leisten Beträchtliches, es gibt Sprachkurse für die ganze Familie.

Bei aller Kritik bleibt allerdings festzuhalten: Der Bundespräsident gehört zu Deutschland, er ist inzwischen genauso deutsch wie die christlich-jüdische Tradition. Wenn der Präsident unsere Art zu leben und Reden zu halten allerdings nicht akzeptiert, dann muss er mit entschlossener Gegenwehr rechnen.

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