Meinung : Reden statt bomben

ANSCHLAG IN MOSKAU

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Nie heiligt der Zweck die Mittel. Das gilt ohne Abstriche auch für den jüngsten Sprengstoffanschlag in Moskau. Für die Terroristen – wahrscheinlich tschetschenische Selbstmordattentäterinnen – und für die Strategen russischer Kaukasuspolitik. Mit verabscheuungswürdigen Mitteln lassen sich gerechte Forderungen wie die der Separatisten nach nationaler Selbstbestimmung in einer zivilisierten Gesellschaft nicht durchsetzen. Im Gegenteil: Das Töten Unschuldiger, in diesem Fall noch dazu ausnahmslos Jugendlicher, kostet das Bergvolk viel Sympathie. Der neuerliche Terroranschlag dürfte aber auch Präsident Putins beginnenden Wahlkampf belasten. Immerhin hatte Russland vor drei Jahren auch deshalb für ihn optiert, weil er die dauerhafte Befriedung des Kaukasus versprach. Gute Absichten verkehren sich jedoch in ihr genaues Gegenteil, wenn sie mit den falschen Mitteln durchgesetzt werden und der letzte Schritt vor dem ersten erfolgt: Selbst eine gute Verfassung, für die sich im März beim Referendum die Mehrheit der Tschetschenen entschied, nützt nichts, solange der Wille zu ihrer Erfüllung fehlt. Ebenso wenig nützen die für Oktober geplanten Wahlen, wenn die Separatisten, die nach wie vor große Sympathien bei der Bevölkerung genießen, an ihnen nicht teilnehmen. Eine tragfähige Lösung auf Dauer für das Tschetschenienproblem ist daher weder durch Scheinamnestie noch durch Opfertod von Irregeleiteten zu haben. Der einzige Ausweg aus dem Dilemma für beide Seiten sind Verhandlungen ohne Vorbedingungen. Je eher, desto besser. win

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